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Menorah · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. 257

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Article
Zwei jüdisch-arabische Märchen aus Marokko
Date
1931-05-01
Page
257 (sequence 1)
Language
German
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Zwei jüdisch-arabische Märchen aus Marokko Aufgezeichnet und verdeutscht von Kurt Levy A b r u h a m Es war einmal ein Frommer, der hatte drei Söhne und war sehr reich. Er pflegte an jedem Freitag einen Korb Geld unter die Armen zu verteilen. Eines Tages fühlte er, daß er krank sei. Er rief seine drei Söhne und befahl ihnen, sie sollten sieh ihr Leben lang nicht trennen und ihr Leben lang nicht die Wohltätigkeit vergessen. „Und das Mädchen, das bei uns im Hause die Arbeit verrichtet, sollt ihr nicht entlassen, bis sie verheiratet ist. Tut ihr, was sieh gehört!" Der arme Mann starb und wurde begraben — Gott erbarme sich seiner! Die Kinder kamen zusammen und sagten: „Es geht nicht an, daß wir hier so verbleiben.'' Da stand der Jüngste unter ihnen auf und sprach: „Meine Brüder, bedenkt, was unser Vater uns befohlen hat, und befolgt nun die Befehle unseres Vaters!" Doch die anderen Brüder sagten: „Wir werden nicht weiter so herumsitzen, wir wollen wandern und die Welt sehen.'* Nun sprach der jüngste Bruder: „Ich werde tun wie ihr." Sie teilten ihr Eigentum, und ein jeder ging seines Weges. Der Jüngste folgte dem, was sein Vater ihm autgetragen hatte: er vergaß nicht die Wohltätigkeit. Eines Tages ging sein ältester Bruder auf die Wanderung in die weite Welt. Er bekam Durst und fand kein Wasser. Da hob er seine Augen, sah einen Brunnen und ging hin, um zu trinken. Er traf ein Mädchen, das Wasser schöpfte, und sprach zu ihr: „Mädchen, gib mir zu trinken!" Sie antwortete: „Komm mit mir ins Haus, da kannst du trinken." Er ging mit ihr. Sie lief zu ihrem Vater und sprach: „Vater, du sollst wissen, daß ich einen Mann getroffen habe, der mich um Wasser bat. Er ist mit mir ins Haus gekommen, und nun bin ich hier, um es dir zu melden." Ihr Vater sagte: „Meine Tochter, geh, gib ihm zu trinken." Das Mädchen gab ihm zu trinken. Dann wollte er fortgehen, aber sie sprach zu ihm: „Bleib, bis der Sabbat vorüber ist." Es war gerade Donnerstag. Am Freitag sprach sie zu ihm: „Komm mit mir, wir wollen einen Ochsen zum Sahbat holen." Sie gingen, und wie er neben ihr ging, wollte er sie belästigen. Sie ermahnte ihn, ruhig zu bleiben, aber er belästigte sie weiter. Als sie zu einem Tor kamen, spie sie auf ihn und verwandelte ihn in eine Steinsäule. Dann ging sie

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