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Menorah · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. Seite 255

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Article
Reisetagebuch aus Marokko
Date
1931-05-01
Page
Seite 255 (sequence 11)
Language
German
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REISETAGEBUCH AUS MAROKKO 255 sich! für das Wohlergehen des Landes, denn sie sagten: es ist klar, daß der Regen einem Lande versagt wird wegen der Sünden seiner Bewohner. Wenn nun die Juden zuerst beten wollten (was bestimm! einen Regen zur Folge hätte), ohne daß vorher die anderen Bewohner des Landes sich durch Gebete geläutert hätten, könnte Gott vielleicht eine Überschwemmung schicken, die Land und Volk und Sünden hinw e g w a s c h e n w ü r d e. Ich habe von einer Legende gesprochen — aber sie seheint Wahrheit geworden zu sein. Denn mein Wirt fuhr fort wie folgt: „Als ich etwa acht oder neun Jahre alt war, gab es zwei Winter hindurch keinen Regen im Lande, und der Sultan befahl, nach dem allen Vertrag zu handeln. Ich erinnere mich noch deutlich, wie die Moslems durch die Straßen zur Kasba zogen und ihr Regengebet rezitierten. ,Mag Allah Erbarmen üben gegen uns, um der Verdienste IM o h a m m e d s willen'." Mein Wirt gab das arabische Gebet mit seiner langgezogenen K1 a ge m e 1 o d ic w i e d e r. „Aber der Regen blieb aus. Am nächsten Tage kam die christliche Prozession, Mönche und Priester wandelten durch die Straßen und hielten Taimen und Monstranzen hoch. Aber noch immer blieb der Regen aus. Am dritten Tage war die Reihe an den Juden. Die Chasanim, in weiße Tallessim und Sterbekitlei gehüllt, hatten schon in allen Synagogen um Geschem gebetet. Jetzt zog das Volk betend, den Talles um die Schultern, langsam durch die Straßen, Auch wir Schulkinder marschierten mit. Ich fühle noch heute die eigentümliche Trockenheit der Luft, die Hitze, wie sie uns nach Monaten heißen und trockenen Sonnenscheins quälte. Gegen elf Uhr erreichten wir die Höhe der Kasba — keine Wolke war zu sehen, nichts als die unbarmherzige Bläue des Meeres und des Himmels. J)u lässest den Regen herabströmen', beteten wir. ,Gib uns den Regen zu unserem Heil! Um der Verdienste unserer Vorväter willen laß es regnen/ Plötzlich verdunkelte sich der Himmel, die Wolken barsten, und wir mußten schließlich förmlich nach Hause waten." „Sie lächeln'', sagte M. Benoliel. ,,Sie meinen vielleicht, der Regen war ein Zufall. Vielleicht meine ich es anders. Jedenfalls will ich Ihnen sagen, was die Araber meinen, damit Sie sehen, wie sie ihren Respekt unter einem Mantel der Verachtung beigen. Die Araber sagen: Wenn die Moslems um Regen beten, ist Mo- I

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