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Menorah · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. Seite 250

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Article
Reisetagebuch aus Marokko
Date
1931-05-01
Page
Seite 250 (sequence 6)
Language
German
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250 MENORAH von einem Buchsachverständigen geprüft und gezeichnet. Ich habe den Sachverständigen kennengelernt; er teilte seine Zeit zwischen der Buchführung für die mittelalterliche Gemeinde und für den im Bau begriffenen Hafen, der viele Millionen Dollar kosten wird. Der Besitz der Gemeinde wird mit 3,801.964*71 Francs geschätzt, das sind rund 152.000 Dollar. Die Hälfte dieses Besitzes machen Beth Hamidrasch und Schulen aus, und zwar eine Knaben- und eine Mädchenschule sowie ein Rabbinerseminar. Das Übrige besteht aus einem Markt (Kaisaria), einem Gemeindehaus, Friedhof, Grund und Einricht u n g s g e g e n s t ä nd en. Das Einkommen stammt größtenteils aus einer Steuer für Koscherfleisch, die sich auf etwa 19.000 Dollar beläuft. Schulgelder bringen etwa 3000 Dollar, Stiftungen und Vermächtnisse 6000, Mietzinse 5000 und allerlei Sammlungen 1300 Dollar. Die Pariser Alliance Israelite trägt 1200 Dollar bei, die Regierung 136. Das Gesamteinkommen belauft sich auf gegen 35.000 Dollar. Die Hauptaufgaben sind: 16.000 Dollar für die Erhaltung der Schulen, 10.000 für wohltätige Zwecke, öffentliche Hygiene undMazzahmehl, 4000 für Verwaltung und Steuern. Aus diesen Ziffern ist zu ersehen, daß die Gemeinde Bankerott machen würde, wenn die Mitglieder aufhörten, koscher zu essen; übrigens Lastet die Steuer am schwersten auf den Armen, die mit Mazzahmehl im Werte von 900 Dollar kaum entschädigt sein dürften. Mit der Bilanz als Wegweiser ging ich die Anstalten der Gemeinde durch und fand überall dieselbe Mischung von Mittelalter und Neuzeit wie in der Bilanz selbst. Die Schulen besitzen Spielplätze und moderne Einrichtungen aller Art; die Kinder, aus Häusern kommend, wo mystische Zeichen und Amulette statt Kanalisierung und Wasserleitung für die Gesundheit sorgen, lernen Physik und vergleichende Literaturgeschichte auf französisch und spanisch. Das Rabbinerseminar ist eine richtige Jeschiwah, von etwa zwanzig trübseligen Jungen besucht, die sich mit weltfremden und unpraktischen Texten abplagen. Das Beth Hamidraseh ist ein düsteres Loch, in dem ein paar Graubäiie auf den niederen Holzbänken hockten, die bloßen Füße unter die Schenkel gezogen, Sohar und Talmud auf den Knien aufgeschlagen. Dort leistete ich ein Kunststück an vergleichender Sprachforschung. Ein mißtrauischer alter Man wollte mir durchaus nicht glauben (was ich ihm nicht übelnehme), daß ich Jude sei. Er drängte mir einen Sohar auf und befahl mir zu lesen. So las ich denn laut — fragt mich nur nicht wie. Jetzt wollte er wissen, ob ich auch verstünde, was ich

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