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Menorah · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. Seite 220

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Article
Pogrom
Date
1931-05-01
Page
Seite 220 (sequence 4)
Language
German
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220 MENORAH Nun füllte er den Becher für den Propheten Elias, dessen Stuhl unbesetzt blieb, betete den Psalm Hallel, segnete den Wein, das ungesäuerte Brot und die bittern Kräuter. Und die ganze Gemeinde betete mit ihm, denn es war der Vorabend des Osterfestes. Längs des Dorfplatzes ratterten die Wagen des Trains. Alle fuhren zu den Wäldern im Westen. Weit in der Ferne dröhnten die Kanonen. Durch den Morast der ausgefahrenen Landstraße wälzte sich ein geschlossenes Auto. Es war von zehn Reitern umringt und eine Eskadron Tscherkessen folgte. Die Säbelscheiden funkelten im Mondschein. Das Auto schwankte von einer Seite auf die andere, die Scheinwerfer beleuchteten beide Reihen der Hütten. Die Pferde schnaubten, sie waren satt und fröhlich wie die Menschen, die sie ritten. Das Auto blieb im Morast stecken. Drei Schatten traten vor. Elektrische Handlaternen blitzten. Jemand lachte. „Gehen wir!" Das Kommando ertönte: ,,Halt! Absitzen!" „Wo wird der Oberst schlafen?" „Beim Rabbiner." Der Rabbiner sang: „Ki lo noe ki lo joe!" Er sang es mit hoher Stimme und freudigstem Herzen. Tränen klangen in seiner Kehle und fielen aus seinen Augen. Er wußte alles, er hörte alles! Jetzt wurde ans Tor gepocht. Zwei Menschen traten ein. „Wo ist der Rebbe?" Mosche ben Jakow betete: „Dich besingen wir, dich feiern wir! j Herr, der du bist voll Ruhm und Macht! \ Dir sei Heil / Dich preisen wir / Dein nur Dein nur Dein / Soll die Macht über die Erde seinl(< „Wo ist der Rabbiner?" Niemand antwortete. Mosche ben Jakow betete: „Gütig sind Deine Augen / Du führst uns zur Erlösung / Dein nur Dein nur Dein / Soll die Macht über die Erde seinl" „Hinaus! Alles hinaus!" brüllte eine heisere Stimme. „Die Knute her!" Fünf Reiter säuberten das Vorhaus. Stumm bemüht den Schlägen auszuweichen, verließen Männer, Frauen und Kinder den Betraum, den sie als Zufluchtsstätte ausgesucht hatten. „Der Rabbiner her!" Der Rebbe Mosche ben Jakow trat vor; neben ihm seine Tochter Malke, genannt die Königin. „Du bist der Rabbiner? Schön. Hier sind fünfundzwanzig der

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