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Menorah · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. Seite 219

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Article
Pogrom
Date
1931-05-01
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
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POGROM 219 Gegen Mittag standen plötzlich Reihen von Militär da, sie waren scheinbar aus der Erde gewachsen. Sehr langsam zogen sie über die zerfahrene Landstraße, denn ihre Füße steckten bis zu den Knöcheln in Kot. Dennoch waren sie mit gespensterhafter Schnelligkeit da. Ein junger Fähnrich führte sie. Sie marschierten zum Wald, in welchen man vorher die Soldaten gebracht hatte, die im Sterben lagen. Plötzlich standen Reiter da. DeT schwarze Hauptmann packte den Schneider Chaim, peitschte ihn mit der Knute und brüllte: ,,Marsch, in die Hütten, Juden! Wir werden sie in Brand setzen, Ihr Hunde!" Er ritt zwischen die Kinder; der andere Reiter lachte, saugte an der Zigarette und trommelte auf das rote Futteral, das auf seinem Bauch hing. Im Nu war der Dorfplatz leer. Die Tore waren geschlossen. Beim Rabbiner hatte man den siebenarmigen Leuchter angezündet. Malke, die Tochter des Rabbiners, hatte ihr weißes Kleid angezogen, saß mit gefalteten Händen da und lauschte dem Gebet des Vaters. „Die Juden hinaus! Sie sollen die Wagen ziehen!" erscholl von draußen ein Befehl. Soldaten drangen in die Hütten und jagten die Juden mit Schlägen hinaus. Die Männer in den Kaftans erfaßten die Räder und bemühten sich mit den mageren Armen die Wagen ins Rollen zu bringen, die im Kote stecken geblieben waren. Diese Arbeit dauerte bis 5 Uhr nachmittags. Dem jungen Isak, dem Sohn des Gemeindevorstandes Schmul, waren die Räder über die Brust gefahren. Der Rebbe hatte ihn verbunden, wußte aber, daß Isak den Feiertag nicht überleben werde, Nach drei Stunden der Ruhe brach die Dämmerung herein. Eine neue Rotte zog durchs Dorf. Ein junger Fähnrich, das Kreuz an der Brust, führte sie. In der Vorhalle beim Rabbiner hatte sich das Dorf versammelt. Mit singender Stimme berichtete Rabbi Mosche ben Jakow: ,,Der Rabbi Gamaliel hat gesagt: ,Wer an diesem Abend die drei Worte: Pessach, Mazzo, Moror nicht spricht, hat seine Pflicht nicht erfüllt/ " „Was bedeutet der Name Pessach? Er erinnert uns daran, daß der Herr (er sei gelobt), die Häuser Israels in Egypten verschonte.. ." Mit erhobener Stimme fuhr der Rebbe fort: ,,Was bedeuten die bitteren Kräuter, die wir essen? Sie erinnern uns an die bittere Schmach und die bittere Not, die unsere Väter einst erlitten."

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