Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Ritter und Märtyrer
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 214 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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214 MENORAH sollte, damit er einen Vorgeschmack dessen bekäme, was ihn im Jenseits erwartete und das, weil er die Geduld unserer Heiligen Mutter, der Kirche, überspannt hatte. Das Reisig wurde daher nur niedrig und spärlich geschichtet, aber als die Flammen langsam um seine Füße und bis an seine Knie und Hüften zu züngeln begannen, grill er mit seinen Beinen aus, zog die brennenden Hölzer so hoch um sich, als es ihm nur möglich war und schrie: Schichtet doch das Holz höher, Ihr Hundepriester! Ich zahle doch für dieses Feuer." Beim Autodafe des Jahres 1649 wurde eine ganze Familie von Märtyrern ins Verhör genommen und bestraft, ein Musterbeispiel hartnäckigsten Widerstandes. Insbesondere die Frauen gaben Anlaß zu langen Abhandlungen, die von Einzelheiten über ihre Niedertracht strotzten. Bianca Enriquez, die Großmutter, hatte höchst gewissenhaft alle ihre Kinder und Enkel, Söhne und Schwiegertöchter, ja sogar ihre Mägde und Sklaven auf die Inquisitonskerker vorbereitet und sie unterwiesen, was sie während der Folter zu tun und auszusagen hätten. Wie wirksam ihre Lehren waren, dafür gibt es viele Beweise. „Eine ihrer früheren Sklavinnen, Esperanza Rodriquez, 64 Jahre alt, Mulattin, Frau des Juan del Boeque, eines deutschen Bildhauers . . . der bei diesem Autodafe ... zusammen mit ihren Töchtern ... der Prozeß gemacht wurde, ... leugnete lange und wollte keine Reue zeigen und simulierte Wahnsinn ... sie zerriß ihre Kleider, machte eine große Puppe daraus, küßte sie und sagte, das wäre ihr Kind . .. und versteckte es ... und bettelte und weinte, man möge es ihr zurückgeben .. Schließlich bekannte sie sich zu ihrem geheimgeübten Judentum und bat um Gnade .. . Sie wurde zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt ... und zur Auspeitschung ... unter Beschlagnahme ihres Vermögens." Der Gatte von Bianca Enriquez war von gleichem Schlag und gleichem Charakter wie sie selber. ,,Vom Augenblick, da seine Kinder zu Verstand kamen, unterrichtete er sie ... hielt Zusammenkünfte der Juden in seinem Hause ab . . . las dabei aus dem Leben der Propheten vor ... und besprach Riten und Zeremonien . . . und wenn er las ... weinte er bei jeder Zeile ... und bekundete seinen Kummer noch auf mannigfaltige Art ... so wie es feine und gefühlvolle Juden zu tun pflegen." Diese alte Frau glaubte daran, daß eine aus ihrem Stamme den Messias gebären würde, „der in den vergangenen Jahren 1642 oder 43 erwartet wurde", und zwar ihre Tochter Bianca Juarez, „22 Jahre alt ... bei diesem Autodafe verhört . .. Sie beobachtete ihre Gesetze mit einer solchen Strenge .. . daß man sie als Heilige ansah . . . und glaubte,