Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Ritter und Märtyrer
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 204 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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204 MENORAH genen Nacht geträumt hätte, sie wären beide vom Heiligen Gericht eingezogen worden, daß er den Raum gesehen hätte, in dem sie standen und wie die Priester das Geld des anderen gezählt hätten. . . Und der andere Jude sagte, daß es ihn grusele, das mitanzuhören . . . und innerhalb einer Stunde wurden sie auf Befehl des Tribunals verhaftet und alles, was er geträumt hatte, ereignete sich genau so, wie es ihm im Traum erschienen war". Auch eine schöne jüdische Hexe wurde in der Legende berühmt, weil sie am Tage des Autodafes ein Schiff auf die Wände ihrer Gefängniszelle zeichnete und vor den Augen der Inquisitoren in das gemalte Boot stieg und davonsegelte. 13ie Märtyrer des halsstarrigen Judenvolkes sind äußerst bezeichnend für den langen, harten und vergeblichen Kampf, der um die Rettung seiner Seelen geführt wurde. Der Tatsachensinn und die Überlegenheit, mit dem sie ihrem Märtyrerschicksal entgegengingen, steht in seltsamem Gegensatz zu dessen unglaublich theatralischer Aufmachung. „Kerker der Peinigung", sagt eine spätere Darstellung des Inquisition« Verfahrens, „so hieß ein unterirdischer Raum im Gebäude des Heiligen Gerichtshofes, zu dem unendlich viele Treppenfluchten hinunterführten, die immer dunkler, enger und schlüpfriger wurden. Die lautlose Stille, die hier herrschte und die schaurigen Marterwerkzeuge, deren Umrisse im Schein der beiden langen Kerzen schwach sichtbar wurden, müssen das unglückliche Opfer sicherlich furchtbar entsetzt haben. Zwei Großinquisitoren saßen an einem mit schwarzem Tuch überhangenen Tische, auf dem sich ein Kruzifix befand, zwei gelbe Kerzen und ein Stundenglas, mit dem die Dauer jeder Folterung gemessen wurde. Im Augenblick, da der Gefangene den Raum betrat, packten ihn zwei Schergen in langen schwarzen Gewändern und mit schwarzen Kapuzen über ihren Köpfen und Gesichtern, in die runde Löcher für die Augen geschnitten waren, und nahmen ihm seine Kleidung ab, so daß er nackt vor seinen Richtern stand". Auch ein Arzt war anwesend, der den Gefangenen zu untersuchen, seine Beschneidung festzustellen und seine Widerstandsfähigkeit vor, nach und während der Folterung zu begutachten hatte. Die Inquisition tat alles, was in ihrer Macht stand, um die Gefangenen am Leben zu erhalten. Feierlich wurde jedem von ihnen vor der Folterung der Erlaß verlesen, daß „nicht das Heilige Gericht, das nur die Wahrheit erfor sehen und ans Tageslicht bringen wolle, sondern einzig ihn allein die Verantwortung und Schuld dafür träfe, sollte er während der Folter