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Menorah · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. Seite 203

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Article
Ritter und Märtyrer
Date
1931-05-01
Page
Seite 203 (sequence 9)
Language
German
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RITTER UND MÄRTYRER 203 Juden kannte, „die sich miteinander sogar ohne Worte zu verständigen wissen". Ein sechszehnjähriges Mädchen sagte unter der Folter aus, daß die Juden einander ihre Fastzeiten und ihre religiösen Zusammenkünfte dadurch bekanntgäben, daß sie einen kleinen, rotgekleideten Negerjungen in der Stadt herumschickten, der die Trommel schlug. Noch indirektere Wege ging die Botschaft, die ein Mann erhielt, der „sich auf den Friedhof begab, um einer Verwandten nach jüdischem Brauch ihre Zähne ins Grab nachzuwerfen und gerade dazukam, wie Beauftragte des Heiligen Gerichts ihre Überreste ausgruben, um ihr wegen heimlichen Judentums den Prozeß zu machen". Sie wurde in effigie verbrannt und gleichzeitig wurde ihre übrige Familie unter Anklage gestellt. Codes zu entwerfen wurde ein beliebter geistiger Sport in den Gefängnissen. Manche Juden hatten die Kühnheit, sich laut zu unterhalten, aber in aztekischer Sprache, die, wie sie wohl wußten, weder von den Adeligen, noch von deren Gefolgsleuten verstanden wurde. Andere verständigten sich durch leises Klopfen und verdunkelten noch den Sinn auf allerlei Weise, zum Beispiel durch fingierte Bezeichnungen für einander, für die Funktionäre und die Institutionen. So wurde verzeichnet, daß „der große Hut" dem „kleinen Hut", „dem Sünder" und „dem Pilger" den Rat gab, Irrsinn und Blödsinn vorzutäuschen, um einem Geständnis zu entgehen. Das wurde „der Lilie", „der Rose", „dem Veilchen" weitergegeben. Weniger zweckmäßige, aber unterhaltlichere Nachrichten wurden von dem berühmten und verstockten „Großen Papagei" dem „Kleinen Papagei", der „Schwarzen Krähe" und einem Schwärm von Schwalben mitgeteilt. Augenscheinlich waren die Kerker zu jener Zeit von Vögeln bewohnt. Als Briefträger bevorzugte man Ratten, Katzen, Vögel, Hexen und Sklaven. Ein Gefangener ließ sich durch einen Wächter einen Kuchen kaufen und schickte ihn als Geschenk an seine Familie. Aber der Sklave, der ihn überbringen sollte, verkaufte ihn an einen Zuckerbäcker, der ihn mit einer Bestellung von Süßigkeiten an die Tafel der Inquisitoren sandte, wo man ihn aufschnitt und „zum Entsetzen und Abscheu der Gäste . . . einen in Geheimschrift abgefaßten Zettel fand, der Anordnungen über die Vermögensverfügungen enthielt . . . und einige schmähende Bemerkungen über das Heilige Tribunal und seine Funktionäre". Manchmal gab es jedoch auch überirdische Botschaften. „Pedro Lopez Morales, ein Bergmann aus der Stadt Ixtlan, erzählte einem seiner nichtswürdigen Gesinnungsgenossen, daß ihm in der vergan-

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