Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Ritter und Märtyrer
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 202 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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202 MENORAH weise zu erneuern. Als so gewissenhafte Neuchristen sie sich in der Öffentlichkeit gaben, im Geheimen wuchsen sie als Juden nach und feierten Autodafes (Glaubensakte) nach ihrer Art in unterirdischen Gängen, wo sie ihren Söhnen mit aller Sorgfalt das Zeichen aufprägten, das sie unfehlbar vor dem Inquisitionstribunal schuldig erscheinen lassen mußte, wenn sie davor zitiert wurden — und das war ja so gut wie gewiß. Denn man machte sich der Sünde mitschuldig, wenn „man nicht eifrig allen Leuten nachspürte, die sich der Beobachtung jüdischer Gebräuche verdächtig machten, und sie anzeigte". Um des Seelenheils aller Beteiligten willen wurde unter der Folter von Söhnen verlangt, daß sie die jüdische Gesinnung ihrer Mütter verraten, von Brüdern, daß sie ihre Schwestern, und von Ehemännern, daß sie ihre schuldigen Frauen angeben sollten. So konnte schließlich eine ganze Familie in ein Netz, das aus einem einzigen Faden gesponnen worden war, verwickelt werden. Oft wurde auf einmal der ganzen Familie, von den Großmüttern bis zu den Enkeln, ,,der Prozeß gemacht", aber gebräuchlicher war es, die Familienmitglieder einzeln heranzuholen. Lautlos und nächtlicherweile schlössen sich die Kerkermauern der Inquisition um die Schuldverdächtigen. Nur die allernächste Familie des Verhafteten konnte sein Schicksal ahnen (wenn sie nicht zu gleicher Zeit festgenommen wurde). Monate-, ja jahrelang konnte sie das Gefängnis suchen, das ihn verborgen hielt, und immer wieder hoffen, es ausfindig machen zu können. Fast unfehlbar drang schließlich eine geschmuggelte Botschaft bis zu ihr, die sie noch rechtzeitig Verfügungen über das Vermögen treffen hieß, dem sonst die Konfiskation drohte, und die ihr Weisungen über das gab, was sie gestehen und was sie ver schweigen sollte, damit ihre Aussagen mit denen der vorausgegangenen Gefangenen übereinstimmten. Mit anderen Gefangenen oder Verwandten in Verbindung zu stehen, galt als schweres Verbrechen und konnte leicht die endgültige Strafe noch verschärfen. Negersklaven, die sich zu Boten hergegeben hatten, wurden ausgepeitscht und auf Lebenszeiten zu Galeeren - arbeit verurteilt. Auch über Ehefrauen und Schwestern, die ohne ihr Zutun Botschaften erhalten hatten, wurden umfangreiche Gerichtsfaszikeln angelegt. Die Inquisition war der Ansicht, daß die Juden ein höllisches System drahtloser Verständigung kannten, aber manchmal kam sie doch darauf, daß sie auch irdischere Wege benützten. Einem Gefangenen wurde nachgewiesen, daß „er Almosen von reichen Juden an Arme überbrachte, sie in Spitälern aufsuchte und ihnen Trost spendete .. . und alle Geheimzeichen und ChifFrecodes der