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Menorah · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. Seite 196

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Article
Ritter und Märtyrer
Date
1931-05-01
Page
Seite 196 (sequence 2)
Language
German
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196 MENORAH keit wurden dort neue Gefängnisse eingebaut. Niemand ahnte das, bis auch sie voll waren .. . und die Inquisition sich veranlaßt sah, weitere zu bauen, und das geschah in einer so schnellen und einfachen Weise, wenn es auch nicht wenig kostete, daß daraus eher Festungen als Gefängnisse entstanden. Dabei wurden die Gebäude so geschmackvoll gebaut, die Kammern so unauffällig angelegt und der Sicherheit der Gefangenen wurde so sorgfältig Rechnung getragen, daß es einer gewandteren und unterhaltlicheren Feder als der meinen bedürfte, um sie zu beschreiben." Öffentliche Autodafes oder „Glaubensakte" wurden abgehalten, sobald Gefangene, die ausreichend verhört und überführt worden waren, den staatlichen Behörden zur Bestrafung (gemäß den Weisungen der Inquisition) übergeben wurden, und fanden alle zehn Jahre statt, kleinere, nicht öffentliche Autodafes jedes Jahr oder alle zwei Jahre. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts, als Neu-Spanien auf der Höhe seines Reichtums stand, müssen sich sehr viele Beschnittene unter die treue Herde gemischt haben, denn Autodafes wurden damals weit häufiger abgehalten und wegen der großen Zahl und Verderbtheit der Angeklagten als besonders bemerkenswerte Ereignisse verzeichnet. Im Mittelpunkt eines wirklich großartigen Autodafes standen jedoch gar nicht die Gefangenen. Sie waren nur ein unentbehrliches Beiwerk der an Details und Zeremonien so überreichen Festtage, zu denen sie allerdings den Anlaß boten. An diesen Tagen arbeitete das politische Räderwerk mit besonderer Präzision, der Hof des Vizekönigs und die Würdenträger der Kirche schwelgten und wetteiferten in äußerem Prunk. Die Damen trippelten hinaus auf die blumengeschmückten Balkons in neuen und zierlichen Atlasschuhen, und auf dem Platze, wo man das zirkusartige Gerüst für das Autodafe zimmerte, wurden gleichzeitig Buden aufgeschlagen für frische Limonade und heiß gebratenen Imbiß, und Erzeugnisse indianischer Kunstfertigkeit zur Schau gestellt, die man wie im Karneval mit bunten Papierfransen und Kränzen behing. Das Stadion selbst war mehrfach abgeteilt und je nach dem Rang des Publikums ausgeschmückt. Der Teil, der der Sonne ausgesetzt war, war, so wie auf den billigen Plätzen bei den modernen Stierkämpfen, für das einfache Volk bestimmt, dem bei Strafe ,,schrecklicher Verdammnis" die Teilnahme anbefohlen war. Auch Versprechungen von Sündennachlässen wurden ihm in Aussicht gestellt und man gab ihm überdies zu verstehen, daß ein Fernbleiben Anlaß zu Nachforschungen durch Bevollmächtigte der Inquisition geben könnte. Über den hol-

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