Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Ritter und Märtyrer
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 197 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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RITTER UND MÄRTYRER 197 zernen Bretterreihen des gemeinen Volkes befand sich die Loge des Vizekönigs, „die mit reich bestickten Teppichen behangen war. Schwarzseiden und goldgestickt war sein Stuhl, Für seine Füße . . . war ein Kissen aus purpurnem Samt bestimmt. Zu seiner Rechten . . . ein kleiner, gleichfalls mit Schwarz und Gold reich geschmückter Tisch, auf welchem sich das Kreuz befand, das Gebetbuch und zwei kleine Glocken zum Zeichengeben. Auf der einen Seite. . . die Sitze der Inquisitoren .. . mit karminfarbenem Samt ausgeschlagen und ebensolchen Kissen für Rücken und Füße." Die Frage dieser Sitze war eine umständlich diskutierte Angelegenheit und auf die Kissen spielte man nur mit äußerstem Takt an, zum Beispiel in einem Instruktionshandbuch für Inquisitoren, dessen Verfasser sagt: „Unter dem Sonnendach haben der Vizekönig und die Inquisitoren in der entsprechenden Rangordnung Platz zu nehmen, und zwar der älteste Inquisitor zur Linken des jüngsten und der Vizekönig zur Rechten des ältesten .. . und dazwischen die anderen Inquisitoren ... Hofleute, Anführer der Garden .. . auf französischen Stühlen, von denen keiner mit Samt ausgeschlagen ist, außer, wie gesagt, der des Vizekönigs mit seinen beiden Kissen, die sonst niemand hat, obwohl beim ersten Autodafe im Jahre '74 der eben zum Erzbischof gewählte Inquisitor Moya de Gontreras den Versuch machte, ein Fußkissen zu erlangen und dazu die stillschweigende Erlaubnis des Vizekönigs erhielt (der sich wohl, wie wir alle vermuteten, auf diese Weise von gewissen persönlichen Vergehen loskaufen wollte). Aber er stieß auf den strengen Widerspruch des Mitinquisitors Bonilla und konnte deshalb kein Kissen erhalten, und so entfernte er sich und entschuldigte sich mit Unwohlsein.'6 Derselbe Verfasser macht noch weitere Angaben über den Situationsplan. In der Mitte der Arena erhob sich eine Plattform, die entsprechend der sozialen Rangordnung der Gefangenen treppenartig abgestuft war. An ihrem einen Ende befand sich eine Kanzel, ein Altar „mit schönen silbergravierten Geräten" und eine Nische für das Symbol der Inquisition, das grüne Kreuz. Gegenüber der Kanzel befand sich das Abteil für den Gefangenen, das nur Raum zum Stehen hatte und wo ein Pfosten eingerammt war mit einem eisernen Ring, an den er gefesselt wurde. Das Handbuch rät noch zu „Stricken und Knebeln . . . die möglicherweise gebraucht werden könnten . . . für Gefangene, die sich . . , wTie es zuweilen vorkommt, herausnehmen . . . die andächtige und ehrfurchtsvolle Stimmung, die man diesem Anlaß schuldig ist, zu stören." Man versteht nicht ganz, für wen er „eine heimlich zu rüstende Liege- oder Sitzgelegenheit" vorschlägt.