Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Ritter und Märtyrer
- Date
- 1931-05-01
- Page
- 195 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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MENORAH IX. JAHRGANG MAI/JUNI 1931 NUMMER 5/6 RITTER UND MÄRTYRER Von Anita Brenner Die mexikanische Volkskunde kennt folgenden, einst vielgesungenen Zweizeiler über die Inquisition: Ein heiliger Christus und zwei Kerzen, Ein armer Teufel und zwei Schurken . .. Es ist dies zweifellos ein verhältnismäßig spät entstandener Liedvers, denn wenige wagten es, sich offen so abfällig über den Heiligen Gerichtshof Neu-Spaniens zu äußern, so lange er noch in Tätigkeit war. Nur einige seiner Opfer verspotteten ihn heimlich, Angehörige in der Regel der „verfluchten Sekte der Juden und geheimen Juden, die . .. seit geraumer Zeit die Sitten des Landes verderben. In Gestalt von Läm mern mischen sich diese Wölfe unter die treue Herde und stürzen sie ins Unglück"*). Tatsächlich behauptete auch die Inquisition, daß ihre Dienste vor allem der verfluchten und beschnittenen Sekte wegen nötig wären. Die anderen Sünder rekrutierten sich aus Ketzern, Bigamisten, ungehorsamen Priestern, Betrügern, radikalen Propagandisten, Gotteslästerern und in großer Anzahl aus Zauberern und Hexen, unter denen die „Negerinnen mit der Bruststimme4' berühmt waren. Den eingeborenen Heiden wurde selten „der Prozeß gemacht", denn man war sich nicht ganz einig darüber, ob sie eine menschliche Seele hätten, die es zu retten gälte. „Bald nach der Einsetzung des Inquisitionstribunals (etwa um die Mitte des 16. Jahrhunderts", so berichtet ein Kirchenhistoriker, „füllten sich die Kerkerzellen mit Gefangenen. Das viele Gesindel hatte in den Kerkern nicht Platz ... es mußten deshalb einige schöne neue Häuser dazugenommen werden und unter Beobachtung der größten Heimlich- *) Der vorliegende Artikel stützt sich auf Material aus den Landesarchiven von Mexiko, das m. W. englisch noch nie veröffentlicht "wurde. Auszüge daraus sind in den Genaro Garcia Serien der Documentos InSditos Para la Historia de Mexico erschienen. Die Chronik des Autodafes von 1659 habe ich ebenso wie die Sentinela contra Judios in der Don Francisco Rivas Bibliothek in Mexiko- Stadt gelesen. Die Tercera Exaltacion befindet sich in der Nationalbibliothek von Mexiko-Stadt. Alle diese Dokumente sind kirchliche Aufzeichnungen. A. B. Die Aufzeichnungen der Inquisition, die sich auf allerlei falschverstandene Gerüchte, Denunziationen und vielfach unter der Folter erzwungene Geständnisse stützen, geben alte jüdische Bräuche zum großen Teil völlig enstellt und unrichtig motiviert wieder. Daneben werden allerlei Formen des Volksaberglaubens registriert, die in keiner Weise für die Juden typisch sind, von ihnen möglicherweise jedoch übernommen worden sind, vor allem bezeichnend für den Abgrund des Aberglaubens sind,' in dem diejenigen sich befanden, die sich als Richter zu gebärden wagten. Anmerkung des Übersetzers