Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Kriegsaufzeichnungen eines jüdischen Offiziers
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 181 (sequence 13)
- Language
- German
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KRIEGSAUFZEICHNUNGEN 181 Zeiten. Wer erinnert sieh noch dessen? Tausend wundervolle, süße Erinnerungen . . . Zuweilen kommen traurige Nachrichten: ein Bekannter ist gefallen, ein Freund muß ins Feld, mein Bruder muß zur Musterung... Aber sobald ein warmer Tropfen von den durchnäßten Bäumen zu tropfen beginnt, wird es bei uns „lebhafter". Wir bemerken Anzeichen einer neuen Offensive: Flugzeuggeschwader, wie riesenhafte Raubvögel, klappern in den Lüften mit ihrem mühlenarligen, dröhnenden Geklapper, schleichen sich durch die Wolken nahe an die feindliche Stellung heran, schweben mit riesigen Kadern über den Stellungen des Feindes — und die Gräben seufzen auf mit Slaub- und Rauchwolken, Häuser und Magazine schrecken auf in kurzen, breiten Flammen und erglühen in großen, langweiligen Bränden. Immer häufiger finden Gefechte zwischen großen Patrouillen slalt. Die Russen sammeln Unmengen von Reserven zusammen, prüfen die Stärke unserer Stellung und greifen in kurzen Überfällen bald da, bald dort an. Sic wollen unsere Linie durchbrechen. Ihre Attacken beantworten wir mit „Vorstößen" und ihr Maschinengewehrfeuer mit Kanonen, daß die Erde erdröhnt! Die russische Offensive flackert auf. Aber Hindenburg, dem unser Abschnitt untersteht, behält alles im Auge: Wir stehen auf der Stelle, wie eine Wand aus Stahl und erobern im Gegenangriff die Ortschaft B., um die wir Monate lang gerungen hatten. Mein Perez erinnert mich, daß wir am Vorabend des Pessaehfestes stehen. Ich selbst muß auf meinem Posten bleiben. Aber die wenigen Juden, die noch meiner Abteilung zugeteilt sind, kann ich für einige Tage beurlauben. Ich gebe meinem Diener Geld, und er und ein anderer jüdischer Soldat fahren in ein fernes Dorf, um bei den dortigen Juden die Pessachmahlzeiten zu bestellen. Wie sonst gehe ich die Wachen visitieren. Zwischen der alleinstehenden Hütte ..Posten Nr. 9" und dem deutschen ..Blockhaus" bemerke ich zwei Reihen frischer Nadelbäume. Vor dem kleinen Garten dieses seltsamen Eingangs steht eine große Tafel mit der Inschrift: ,.Klara-Allee". Ich trete ein. Der Kommandant, ein jüdischer Korporal aus Ungarn, eilt mir entgegen und meldet: ,.Alles in Ordnung." Die dienstfreie Mannschaft fertigt aus Schrapnell- und Granatenhülsen schöne ,.Kriegsringe" und Knaufe zu Stöcken an. ..Wer ist hier diese berühmte ,Klara'?" frage ich den Korporal. Er errötet: ..Ein Mädchen. Herr Oberleutnant, eine Bekannte aus M. ' ..Ihr zu Ehren?" „Ja."