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Menorah · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. Seite 180

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Article
Kriegsaufzeichnungen eines jüdischen Offiziers
Date
1931-03-01
Page
Seite 180 (sequence 12)
Language
German
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180 MENORAH Herz dabei warm wird und die Tränen in die Augen kommen. Und womit ihnen danken für diese Wärme und Herzlichkeit? Noch ein paar Rubel für Arme und für die Mitwirkenden, und Schokolade und Backwerk für alle diese schönen, guten Mädchen und Kinder, deren Wangen rosig erglühen und die mit dem jüdisch-verträumten Feuerchen in den Augen um sich gaffen, mit soviel naiver Freude in ihren jungen Her zen!.. ..Eine Hamantasche, Kinder! Einen Rubel für eine Hamantasche!" Und im Nu bringen die Mädchen Hamantaschen, hausgemachte, leider sehr ärmliche, und sie kriegen für jedes Stück nicht einen, sondern zwei und drei Rubel! Was soll ich denn sonst mit dem Papiergeld anfangen, mit dem die Armeekassa uns überflutet? Ich schicke meinen Wagen nach Hause und übernachte bei dem dortigen Kommandanten. Am frühen Morgen warte ich auf das Viergespann, das mich nach Hause bringen soll. Anders will es mein Gastgeber nicht, ein ungarischer Aristokrat im wahrsten Sinne des Wortes. Junge Leute und Frauen ziehen in den Wald, um Harz für die Armee zu sammeln. Sie erhalten dafür zwei Kronen täglich. Ich erkenne unter ihnen die „Zwölf Stämme" von gestern. Ein wundervolles Mädchen ist in ihrer Mitte. Der Zugsführer, der sie zur Arbeit bringt, blickt sie lüstern an. ,,Gefällt sie Ihnen?" frage ich ihn. ,,In diesem Städtchen, Herr Oberleutnant," entgegnet er etwas beschämt, „ist nichts zu machen . . ." Meine vier Pferde klopfen zum Takt im schneeigen Morast des Heimwegs, und ich kann die schöne Purimfeier in dem Städtchen M. nicht vergessen. Zweimal in der Woche schicke ich meinen Diener dorthin oder fahre selbst hinein, beladen mit Zucker, Tee, Kaffee, Marmelade, Petroleum und Zwieback, und die dortigen Juden belohnen mich dafür mit Segenswünschen aus ihren vergrämten, seufzenden Menschenherzen. JLJer Schnee auf meinen öden Feldern ist eingefroren, der Himmel will sein Blei nicht schmelzen lassen, wir alle sind wie erstarrt. Nur aus der Ferne, aus der Heimat und von Bekannten dringt manchmal Nachricht zu uns, von Begegnungen und Zusammenkünften an schönen Abenden und an hellen Morgentagen, von Idealen und Plänen, von Zeitungen, Büchern und Theatern! Dort geht man noch ins Theater! Merkwürdig: ,,Dort" lebt man noch wie dazumal in den guten Pessach im Felde

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