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Menorah · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. Seite 182

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Article
Kriegsaufzeichnungen eines jüdischen Offiziers
Date
1931-03-01
Page
Seite 182 (sequence 14)
Language
German
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182 MENORAH „War sie schon hier?" „O nein, Herr Oberleutnant, sie ist ein anständiges Mädchen, aus bester Familie. Wir sind verlobt. . „Wollen Sie für Pessach zu Ihrer Klara?'* Der Korporal kann sich vor Freude kaum halten: „Ich habe sowieso daran gedacht, für die Feiertage zu einer jüdischen Familie zu gehen. Aber wenn dem so ist, Herr Oberleutnant..." „Gibt es denn hier eine jüdische Familie?'" frage ich erstaunt. „Etwa 20 Werst von hier lebt im Walde eine jüdische Familie."' „Kennen Sie den Weg?" „Gewiß." Ich verliere keine Zeit. „Wenn ich benötigt werde, soll man mich von dort holen", befehle ich dem Korporal, lasse anspannen, nehme einen Soldaten mit und wir eilen wie ein Sturm jenem Walde zu. Es ist tiefer Abend, als wir das Wäldchen passieren, das mit einem Gürtel von Sträuchern umgeben ist. Plötzlich vernehmen wir ein Schmatzen, das Pferd hält an und will nicht von der Stelle. An dem freiliegenden Sumpf, zwischen den beiden Rändern des Waldes, erscheinen mit einemmal vier Wildschweine. Mein Begieitsoldat schießt ins Blaue, denn er weiß, daß er ohnehin nicht treffen werde. Die Wildschweine flüchten, und es wird still wie früher. Aber der Soldat muß das Pferd am Zaume führen, es wilL sonst nicht weiter. Wir sind beinahe schon außerhalb des Waldes, und das Pferd ist noch immer nicht beruhigt. „Da liegt jemand'', sagt der Soldat mit stiller Angst. Ich ziehe meine Taschenlampe hervor: Ein Pferd mit zeriaulten oder abgenagten Beinen liegt hingestreckt im Sumpf. Aus seinem Kopfe glotzen die Augen noch wie lebendig. Etwas weiter, wie eigens zu diesem Zwecke konserviert, steckt die Faust eines Menschen mit einem Armstumpf hervor, es ist die Hand eines deutschen Soldaten, leicht erkenntlich an dem grünlichen Ärmelstück und den deutschen Monturknöpfen. Der Rest ist versengt. Es hat gewiß eine Granate oder ein volles Schrapnell den ganzen Körper zerfleischt, außer der rechten Faust. Ganz gewiß, denn an den Bäumen hängen noch nasse Monturfetzen und die Kappe eines deutschen Artilleristen. Die Wucht der Explosion hatte sie auf die Bäume geschleudert, und der schmelzende Schnee hat nun das Monate lang verborgene Geheimnis gelüftet . . . Das Licht meiner Taschenlampe hat wahrscheinlich auch mein Pferd beruhigt, es beschnuppert nur noch rasch seinen verreckten „Kameraden" und trabt eiligst davon. In einem kleinen Fenster sehe ich Licht. Schatten wandeln umher, man trifft Vorbereitungen zum

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