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Menorah · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. Seite 174

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Article
Kriegsaufzeichnungen eines jüdischen Offiziers
Date
1931-03-01
Page
Seite 174 (sequence 6)
Language
German
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174 MENORAH In der Nähe meiner neuen Stellung liegen drei Dörfer — eigentlich nur mehr Trümmer. Alles ist verbrannt, zerstört und ausgeräumt. Man sieht keine lebendige Seele. Und das sind die besten Schlupfwinkel für Räuber und bewaffnete russische Deserteure, die Häuser und Stallungen überfallen und ausplündern. Wir erlassen Aufrufe an die dortige Bevölkerung, uns sofort zu melden, wenn sich eine fremde Gestalt in ihrer Gegend zeigt, aber die schlauen Bauern schweigen, und sobald jemand beim Kommando Beschwerde führt, wird er von geheimen Händen erschossen. Wir müssen daher unsere Wachen verstärken, und oft haben wir auch blutige Kämpfe mit den bewaffneten Horden auszufechten, die sich in den dichten, tiefen Wäldern verschanzen. „Seid vorsichtig und schützt Euer Leben, damit Ihr im Frieden noch Eure Kinder sehen könnt!'' warne ich meine Mannschaft, bevor ich sie auf ihre Posten schicke. Meine grauen Soldalenkinder lüften die Mützen, bekreuzigen sich und brechen in Tränen aus. Ich bin dessen sicher, daß sie ihre Pflicht voll erfüllen werden. Indessen hat sich die Mannschaft so ziemlich wohnlich eingerichtet: sie haben die Bauernchalupen ausgebessert, Türen und Fenster repariert, Öfen und Lagerstätten errichtet. In ihrer Küche finde ich eine ganze Menagerie: acht Katzen sitzen friedlich beieinander und schlummern behaglich nach den fetten Knochen, die ihnen der Koch hingeworfen hat. Das schlimme jüdische Sprichwort: „Zwei Katzen in einem Sack. . ." scheint doch nicht wahr zu sein. Verhungert kamen sie aus der ganzen Umgebung hier zusammen und leben in Frieden. Hingegen meldet mir mein Perez an jedem Morgen mit derselben sauren Miene: Schon wieder hat eine Katze das Fleisch aufgefressen ..." „Wohl bekomm's ihr!" sag' ich lachend. „Herr Leutnant lachen", sagt er gekränkt, „und mir tut das Herz weh. Ich werde alle Katzen niedermachen." Aber ich bin ganz beruhigt. Mein guter Perez kann nicht einmal ein Gewehr halten! Dagegen aber kocht er für mich die besten Speisen, angefangen von den „Pirogen" bis zu den Sabbatfischen", und er schläft mit mir im selben Häuschen. „Was soll ich morgen zur Suppe kochen?" beginnt er vor dem Schlafengehen seine tägliche Litanei. ..Kochen Sie morgen ,FarferF zur Suppe", sage ich mit wichtiger Miene. „Aber ich esse ja gerne Nudeln. Herr Leutnant", lieht er wie ein Kind, und es bleibt dabei.

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