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Menorah · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. Seite 173

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Article
Kriegsaufzeichnungen eines jüdischen Offiziers
Date
1931-03-01
Page
Seite 173 (sequence 5)
Language
German
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K HIE G S A U F ZEICHNUNGEN 173 suchen Sie es, aber seien Sie vorsichtig, Onkelchen, Ihr Mädchen ist ein junges Kind, und die Offiziere sind zügellose Gesellen . . ." „Was also tun?" seufzt der Jude. „Man muß doch für den Unterhalt sorgen. Werde ich denn mit all diesen Ausfolgescheinen jemals eine Kopeke bekommen? Vorläufig habe ich nichts als Bestätigungen in Händen." „Vielleicht übersiedeln Sie überhaupt zu den Deutschen?" „Gott bewahre!" ruft er aus. „Mit ihnen? Da sei Gott vor! Es ist noch viel schlimmer. Der geringsten Sache wegen stecken sie einen in den Arrest. Ach, wann wird das schon einmal ein Ende nehmen." Ich verstehe den Grund seiner Verzweiflung: die russische Verwaltung halte die Leule daran gewöhnt, mit einem halben Rubel als Bestechung jede Verordnung zu brechen. Hier aber stießen sie auf die hartnäckige, gesetzschützende deutsche Disziplin. Die Deutschen handhaben das Ausfuhrverbot mit solcher Strenge, daß sie sogar einen Eiertransport, der für unsere Oftiziersküche in Pruzany bestimmt ist, beschlagnahmen und uns 600 Kronen als ..Schadenersatz" zurückerstatten für die 10,000 Kronen, die sie uns kosteten. Auch Pakete, die unsere Offiziere durch die Feldpost bestellen, werden beschlagnahmt, und das hat dann ernste Konflikte zur Folge. „Die Post wurde von unbekannten Verbrechern ausgeraubt", gibt dann die deutsche Kommandantur zu ihrer Verantwortung an. Unserem Kommando erscheint das nicht sehr glaubwürdig, und dennoch ist es leicht möglich. Wir stehen vor einer neuen Oifensive, und da und dort tummeln sich verschiedene verdächtige Individuen herum, die die Post und die Bahnstrecke unsicher machen. Vorsicht tut not, ich werde nun mit meiner Kompagnie hinausgeschickt, um die Eisenbahnlinie Molodeczno Baranowicz zu sichern. Meine Kompagnie marschiert voran, ich, mein Diener und ein bewaffneter Soldat folgen ihr in einem Schlitten. Die Gegend ist eben, und so weit das Auge reicht, ist alles mit Schnee bedeckt. Die Schneestürme verwehen einem Augen und Ohren, und wenn man aufatmet, muß man einen Haufen nassen Schnee schlucken. Wie in Sibirien. Nicht umsonst ist mein Diener Perez voll Angst: ..(übt es hier Bären, Herr Leutnant?" Der Phantasie ist hier großer Spielraum gelassen. Der alte Soldat, der die Pferde lenkt, wird verwirrt und beginnt sich zu bekreuzigen, und der wachthabende Soldat gibt Feuer, er glaubt Wölfe gesehen zu haben. ,,Wir können ein Dankgebet sprechen. Herr Leutnant, daß wir bereits an Ort und Stelle sind!" sagt fromm mein Perez.

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