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Menorah · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. Seite 171

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Article
Kriegsaufzeichnungen eines jüdischen Offiziers
Date
1931-03-01
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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KRIEGSAUFZEICHNUNGEN 171 fisemiten, und überall, wo sich ein polnischer Offizier oder Stadthauptmann befindet, dort wird den Juden die Haut vom Leibe geschunden. Die wirklichen Österreicher sind doch nicht so schlimm/' Es scheint, daß unser Gespräch Verdacht erweckt, denn bald springt ein Gendarmeriewachtmeister herbei und zieht über den Rabbiner los: „Wohin fahren Sie? Wer sind Sie? Was machen Sie da?14 Und ich muß den erschrockenen Greis in den Waggon begleiten, um ihn vor einer Arreststrafe zu beschützen. Wir nähern uns Brest-Litowsk. Die Festung ist gemeinsamer Besitz der Deutschen und Österreicher, denn beide Armeen hatten sie erobert; und dennoch haben die Deutschen die besten Plätze inne. Von allen Seiten eilen jüdische Mädchen mit ihrem Warenkram herbei, aber die deutsche Wache verbietet ihnen den Verkauf. Ich lasse eine heranrufen, da wendet sich der Deutsche unzufrieden ab. Unter den Mädchen entspinnt sich eine Konkurrenz, obwohl alle unerschwingliche Preise fordern. Aber meine Soldaten .,streiken'' und kauten nichts — da fallen die Preise, und der Handel geht an. ..Nimm einer den ganzen Korb weg", höre ich, wie der deutsche Schaffner einen meiner Soldaten anspornt. ..Ich werde dann hinzutreten und sagen, daß der Zug abgeht. Du wirst in den Waggon springen und ihr keinen Pfennig bezahlen müssen/* ..Aber nein!" erwidert mein Soldat erbleichend. ..Man wird ja dafür gestraft." ..Was dir nur einfällt!" sagt der Schaffner fest. ,,Das sind doch Jüdinnen." Ich notiere mir seinen Namen, um bei seinem Vorgesetzten Beschwerde über ihn zu führen. Der Deutsche erblaßt und wagt sich nicht mehr aus dem Zug. Meine Mannschaft hat den ganzen Tag nichts gegessen. Ich lasse sie durch den kilometerlangen Bahnhof zur Küche bringen. Sie sind halberfroren und dennoch zufrieden: das Essen ist reichlich und schmackhaft. Die Deutschen haben den Zug übernommen, da heißt es pünktlich sein. Ich befehle der Mannschaft, in den Waggons zu bleiben und gehe mit noch zwei Offizieren ein Glas Wein trinken. Der Zug soll um 6 Uhr 7 Minuten abgehen. Wir brechen zeitig auf und eilen hinaus, aber gerade erblicken wir noch die roten Laternen des sich entfernenden letzten Waggons! ,.Wie kann man denn die Mannschaft ohne die Offiziere alifahren lassen?" halten wir dem deutschen Bahnkommandanten vor.

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