Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. Seite 161

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Article
Lord Mechett
Date
1931-03-01
Page
Seite 161 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2912821-2912908-2912911-2926512--10119-2926655
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

LORD MELCHETT 161 A lfred Moritz Mond, dieser Sohn eines deutschen Juden, steigt auf zum größten Industriellen des Industrielandes England, zu einem der einflußreichsten Politiker im klassischen Lande der Staats - kunst. Merkwürdig klein von Statur, mit hoher Stirn, die scharfen Augen hinter einem Kneifer verborgen, die er schließt, wenn er spricht, gleichsam als ob er jede Berührung mit der Außenwelt vermeiden wolle, um sich völlig konzentrieren zu können, ist Mond ein Mann von ausgesprochen jüdischem Habitus, in dem niemand einen englischen Lord vermuten würde. Doch er, der in England geboren wird, fühlt sich trotz seiner rein deutschen Abstammung als V o 11 e n g 1 ä n d e r, auch während des Weltkrieges empfindet er keine Sympathien für die Heimat seiner Vorfahren. Im Gegenteil. Er gehört zu den englischen Patrioten der schärfsten Tonart. So wird er zum Exponenten des briti sehen Weltreichs. Wie viele englische Juden — mancher von ihnen deutscher Abstammung —, voran Nathan Rothschild, wird Alfred Mond neben Benjamin Disraeli, Sir Ernest Cassel, Lord Reading (Rufus Isaacs), neben Sir Herbert Samuel, den Montagus, den Sassoons und neben dem englischen ölkönig Lord Bearsted zu einer der Hauptstützen der britischen Weltpolitik. „Diese jüdischen Einwanderer und Organisatoren kamen nicht als Rebellen. Sie erwiesen sich als solide Stützen des Bestehenden. Sie wurden britisch-konservativ, aber sie brachten die liberalisierende Neigung mit, die später im Tory-Liberalismus zu staatsmännischen Triumphen gelangte" (Rudolf Kircher: Engländer, 1926, Seite 243). Alfred Moritz Mond wird am 23. Oktober 1868 in Farnworth in Lancashire geboren. Seine Erziehung ist die der Söhne der guten englischen Häuser. Er besucht das College in Cheltenham und von St. Johns, studiert dann die Rechtswissenschaften an den Universitäten in Cambridge und Edinburgh und schlägt zunächst die juristische Lauf bahn ein. 1894 läßt er sich als Rechtsanwalt nieder. Aber er übt nur kurze Zeit eine Praxis aus. Denn schon wenige Jahre später nach dem Ableben eines der Mitbegründer des väterlichen Unternehmens beruft man ihn in die Leitung der Firma Brunner, Mond & Co. Ludwig Mond hatte sich bewußt von der Politik ferngehalten. Sein Sohn Alfred, der als Engländer aufgewachsen ist, hat höheren Ehrgeiz. Er weiß, daß er als Industrieller um so wirkungsvoller auftreten kann, wenn er auch politischen Einfluß besitzt. Der Traum so vieler junger Engländer aus den bürgerlichen Häusern, ihrem Namen auf der Visitenkarte die Initialien M. P. beisetzen zu können, geht für Alfred Mond verhältnismäßig rasch in Erfüllung. Schon im Jahre 1906

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.