Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Jüdische Vokal- und Instrumentalmusik des Altertums
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 147 (sequence 4)
- Language
- German
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JÜDISCHE VOKAL- UND INSTRUMENTALMUSIK 147 legenheiten des Einzelnen und der Gemeinschaft, wo Musik gang und gäbe war. So wird beim Gelage22) und bei der Hochzeit23), beim Abschied24) und bei der Totenfeier25), aber auch wieder bei der Rückkehr der siegreichen Heere musiziert, und gerade hier ist die Rede von Reigentänzen in Verbindung mit Pauken und Zimbeln20). Andererseits kennt man die Musik als Besanftigerin erregter Naturen27), aber auch als Erregung der Leidenschaften der Ekstase28). Der Gesang scheint in Israel allerdings in besonderer Blüte gestanden zu haben. Israelitische Könige halten sich Sänger und Sängerinnen29). Die Schönheit israelitischer Lieder muß auch Israels Umgebung aufgefallen sein: so ergeht an die Exulanten die Aufforderung zum Gesang von Zions Liedern30). Daß, wie gerne behauptet wird, Instrumentalmusik nur zur Begleitung des Gesanges vorgekommen sei, scheint unrichtig zu sein. So ist zu bezweifeln, ob die Musik, welche Ekstatikerscharen voranging31), etwas anderes als Instrumentalmusik gewresen ist. Der Israelit kennt Saiten-, Blas-, Schlag- und Schüttelinstrumente. Saiteninstrumente sind ,,nebel und kinnor", nebel ist eine Art Harfe32), man darf sie sich nicht allzu groß vorstellen, da sie auch gehend gespielt wurde. Nach alttestamentlicher33) Angabe hat sie zehn, nach Josephus34) zwölf Saiten, und wird mit den Fingern abgeschlagen. Im Gegensatz dazu erzählt er vom kinnor, daß es mit dem Piektrum35) angeschlagen wird und zehn Saiten habe. Nach ägyptischen und assyrischen Darstellungen handelt es sich um ein lyraartiges Instrument. Da es kein Griffbrett hat, gibt jede Saite nur einen Ton. In dieser Hinsicht entspricht kinnor also weniger der Zither, mit dem man es gewöhnlich zusammenstellt, als der Harfe, an die Luther mit seiner Übersetzung denkt. Kinnor ist das Instrument, auf dem David vor Saul spielt30). Auch in der Hand der Dirne, die singend die Straßen durchzieht, wird es vorausgesetzt27). Es scheint überhaupt im allgemeinen als aufheiterndes fröhliches Instrument empfunden worden zu sein38). Dagegen ist Halil die elegische Flöte39). Als sinnlicher scheint man den Klang des 'ugab empfunden zu haben; wenigstens weist es sein Name als das eigentliche Liebesinstrument aus40). Die kräftigeren Blasinstrumente sind Schofar und Hazozerah, jenes zunächst das Widderhorn im eigentlichen Sinn, dieses ein ursprünglich kurzes Instrument aus Silber41), vermutlich gerade. Schofar und Hazozerah dienen beide als Signalinstrumente im öffentlichen Profanleben, wie beim Tempeldienst. Musikalisch sind Schofar und Hazozerah nicht hoch einzuschätzen, da sie nur einen Ton gaben. Man unterschied dabei lediglich dessen Länge und Kürze42).