Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Jüdische Vokal- und Instrumentalmusik des Altertums
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 146 (sequence 3)
- Language
- German
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146 MENORAH eine lange Geschichte. Die früheste Veröffentlichung mehrstimmiger hebräischer Gesänge besitzen wir in Salome Rossis: Haschirim ascher lischlomoh (Venedig 1623). In der heutigen Zeit wurde mehrfach versucht, den Synagogengesang zu reformieren. In bedauerlicher Unkenntnis der wertvollen Schätze des jüdischen Volksgesanges und in momentaner Ratlosigkeit versprach man sich eine Genesung der jüdischen Synagogenmusik durch den modernen Kunststil. Der moderne Kompositionsstil besitzt schon von vornherein andere Grundlagen als der Synagogengesang. Aus der gleichen Klangwelt, aus der der Synagogengesang seine Weisen schöpfte, hat die Gregorianik wohl auch ihren Ursprung genommen. Im Synagogengesang bedingte der Inhalt, der Gedanke die Form des Gesanges, während in der Gregorianik neben dieser selbstverständlichen Auffassung gleichzeitig eine kritische Beurteilung des Gesanges selbst eintrat. Synagogengesang blieb bis ins 19. Jahrhundert hinein Volksgesang. Kirchengesang aber entwickelte sich zum Kunstgesang, indem er unter Zuhilfenahme immer neuer Kunstmittel den musikalischen Ausdruck vervollkommnete und verfeinerte. Um eine Individualisierung des Synagogenstils zu erreichen, verließen die Komponisten teils vollkommen jede traditionelle Unterlage und reihten ihre Kunstwerke in die europäische Musik ein; andere verarbeiteten die Schätze der Volksmusik — mit modernen Hilfsmitteln und schufen damit neue eigenartige Kunstwerke. Dieser Weg ermöglicht den im Volkston schaffenden Künstlern breiteste Entfaltung ihrer Kräfte und gewährleistet die Schaffung einer neuen jüdischen Volksmusik. XLin förmlicher Unstern waltet über der Fassung der verschiedenen musikalischen technischen Ausdrücke, an denen das alte Testament, namentlich in Psalter und Chronik, ziemlich reich ist. Wir stehen ihnen so gut wie ratlos gegenüber18). Aus einer Stelle10) hat man herauslesen wollen, daß eine von der Harfe gespielte Oberstimme auf der Zither in der Octave begleitet worden sei. /Das hieße, daß der Hebräer schon die sieben Töne kannte. Aber Sicherheit ist nicht zu erlangen, sicher mag sein, daß Gesang und Begleitung unisono waren20). Von Harmonie wird man in der israelitischen Musik überhaupt nicht sprechen dürfen. Dagegen scheint sie nach dem reichen Gebrauch der verschiedenen Schlaginstrumente, gut rhythmisch gewesen zu sein, und diesem Rhythmus21) mag sie ihren noch lebendigen Zusammenhang mit Arbeit und Tanz verdankt haben. Die Arbeitslieder wurden wirklich gesungen. Sonst sind es die verschiedenartigsten Anlässe, freudige und traurige, Ange- II, Die T^lusih'nstrumente