Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Die Kinder kommen heim ...
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 142 (sequence 8)
- Language
- German
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142 M E N O R A II Heimi drehte sich um, das Gesicht voll Seifenschaum. „Wer zum Teufel sagt was von Herunterreißen", erwiderte er gereizt. „Du hast dir einen neuen Anzug bestellt!" „Wer hat dir das schon gesteckt?" Er warf Perez einen argwöhnischen Blick zu, aber der schien in sein Buch vertieft, während er gleichzeitig den Bückling aß. „Was hast du davon — ich weiß. Und von meinem armen Pfund wirst du mir nichts herunterreißen, hörst du?" Ihre Stimme brach, und es zerriß Perez das Herz. „Schön, schön", rief Heimi ungeduldig. „Du wirst es schon kriegen, kein Grund zur Aufregung." Perez las nicht. Er sah bloß ins Buch, um nicht in den Zank hineingezogen zu werden. Er beteiligte sich nie bei solchen Gelegenheiten. Man machte die Sache nicht besser, es schrie nur eine Stimme mehr. So sah er in sein Buch und quälte sich. Plötzlich sah er auf, biß sich auf die Lippen, und schob den Rest des Bücklings von sich. Er erblaßte und bewegte sich unruhig auf dem Sessel hin und her. Die Mutter sah gleich, was los war. „Perez, mein armes Jüngel? Was ist?" Und sie beugte sich über ihn. „Bitf dich, gib mir ein Glas Tee", sagte er leise, mühsam atmend. Der Bückling machte ihm Beschwerden. „Oi weh, oi weh!" lamentierte Frau Israel. „Ich hab' aber wirklich ganz vergessen!" Sie sprach in dem mitleidigen Ton, den man einem Kinde gegenüber anwendet, wenn es sich in den Finger geschnitten hat. Denn es war üblich, oder vielmehr unbedingt notwendig, daß Perez zum Bückling ein Glas Tee bekam, sonst wurde ihm übel. Sie eilte zum Herd. Der Lump war schuld, daß sie den braven Perez vergessen hatte. „Und es war ein so schöner Fisch", murmelte sie zu ihrer Verteidigung. „Auf dem Totenbett hätt' man ihn essen können!'' Perez trank einen großen Schluck. „So, jetzt ist mir gleich ganz anders", sagte er erleichtert. „Siehst du?" lächelte er die Mutter an. „Ich vertrage eben keinen Bückling ohne Tee." „Du hast einen schwachen Magen, mein Kind", seufzte sie. „Schon wie du ein kleines Jüngel warst, bist du fast verhungert. Dein Vater, der Gibbor, hat auch nie ein ordentliches Essen vertragen. Oi!" Sie sank in einen Sessel und begann sich hin und her zu wiegen