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Menorah · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. Seite 143

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Article
Die Kinder kommen heim ...
Date
1931-03-01
Page
Seite 143 (sequence 9)
Language
German
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DIE KINDER KOMMEN HEIM 143 Man sah, wie wollüstig sie ihren Jammer genoß. Perez begann schleunigst wieder zu lesen, denn er wußte genau, was kam. „Oi, was müssen die Kinder leiden, wenn der Vater ein Schlemasel ist", klagte sie. ,,Du hast dir nebbich noch mehr ausgestanden als die andern, immer schon, weil du so zart warst. Schon wie du auf die Welt gekommen bist — mit einem Fuß warst du eigentlich schon auf jener Welt, braun und blau warst du, und der Doktor hat dir müssen, die vier Buchstaben durchhauen, damit du lebendig wirst, und ich war auch mehr in jener Welt als in dieser —" Heimi kam triefend aus der Waschküche und krümmte sich, während er überall nach dem Handtuch Ausschau hielt. Die Augen brannten ihm, denn sie waren voll Seife, und er unterbrach roh das wohlige Summen der Mutter: „Wo ist das verdammte Handtuch schon wieder?" „Wo soll es sein?" fragte sie zurück, in dem aufreizenden Sing- Sang, der einen zur Raserei bringen konnte. „Bei mir im Herzen?" ,,Ach!u Wütend tastete sich Heimi zum Koffer und wühlte unter dem Kram dort. ,,Das ist ja eine gottverlassene Wirtschaft hier", fügte er hinzu. Perez klappte das Buch zu und stand auf. Er wollte schauen, daß er fortkam, bevor die andern eintrafen. Es war wirklich heute eine besonders ungemütliche Stimmung in der Küche. Aber die Mutter mußte in der Küche bleiben, fiel ihm ein, als er die Haustür hinter sich schloß und den Kragen aufstellte. Die Jungen gingen abends alle aus, und Vater auch — er, Perez, meist in die Volksbibliothek, Heimi in die Tanzstunde, Leie mit ihrer Freundin Sadie ins Kino, Ray zu einer kommunistischen Versammlung oder Sitzung, Vater in die „Schül". Aber Mutter blieb immer in der armseligen Küche mit dem muffigen Geruch des alten LederkofTers, den sie vor mehr als dreißig Jahren aus Lithauen mitgebracht hatte. Sicher war sie damals voll Freude und Zuversicht gewesen — — Er zog die Mundwinkel herab, von Kummer und brennendem Mitleid erfüllt, wie vorhin, als er sie beim Waschtrog gesehen hatte. Was konnte er tun! Was konnte er tun! ^5*^^

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