Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Die Kinder kommen heim ...
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 141 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE KINDER KOMMEN HEIM... 141 und lange Zeiten dazwischen, wo es nichts zu tun gab. Perez sah in die Waschküche hinein. HolTentlich hatte die Mutter nichts gehört; es war ja möglich, daß er schon morgen anderswo Arbeit bekam, dann brauchte sie sich nicht zu sorgen. Freilich, mit der Hoffnung auf iünfunddreißig Schilling am Freitag war es Essigl Seufzend steckte er die Nase wieder ins Buch. Aber er konnte nicht recht lesen, er überlegte, wo er morgen zuerst nachfragen sollte. Es war so verdammt wenig los überall! Aber umsehen mußte er sich. Und jedenfalls gleich in der Arbeitsvermittlung einschreiben lassen. „Wo steckt die Mutter?" fragte Heimi ärgerlich, ohne sich an jemanden bestimmten zu wenden. „Ich habe einen Mordshunger — ich will mein Abendessen!" Perez fühlte förmlich, wie die Mutter drin in der Waschküche starr wurde vor Wut. Bis jetzt hatte man unbestimmte, leise Töne herausgehört, die Heimi offenbar entgangen waren. Nun aber war es totenstill, und das weissagte nichts Gutes. „Wo bist du denn, zum Kuckuck", schrie Heimi laut, während er Hut und Mantel auf den alten Koffer warf. Und dann pfiff er. Einen kurzen, befehlenden Pfiff. Frau Israel kam herein. Sie hielt offenbar an sich, aber nur, um dann später um so wirkungsvoller herauszuplatzen. Es war Perez klar, daß sie eine Szene vorbereite. „Pfeifen tust du um die Mutter?" warf sie Heimi vor. „Wer bin ich? Bin ich dein Hund?" „Ach Gott, sie fängt schon an", jammerte Heimi. Solche Geschichten wegen eines bißchen Pfeifens. Es war zum Davonlaufen in dem Haus. Um nichts und wieder nichts war gleich die Holle los. „Wo ist mein Nachtmahl?" fragte er grob. „Ich hab' Hunger." „Du hast es eilig, das seh' ich", reizte ihn die Mutter mit voller Absicht. „Vielleicht soll ich dir mit dem Essen auf die Gasse entgegenlaufen!" ,,Ach was!" Heimi wandte sich angewidert ab und ging in die Waschküche. Er legte Rock, Kragen und Krawatte ab und wusch sich den Hals, denn heute war Tanzschule. Aber die Mutter ließ sich ihre Szene nicht nehmen. Sie ging ihm nach und stellte sich vor ihn hin. „Du, Heimi, das sag' ich dir", rief sie. „Von meinem armen Pfund wirst du mir diese Woche nichts herunterreißen!"