Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Aus dem Kunstleben
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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AUS DEM KUNSTLEBEN 127 Auch darauf ist bei jener Unterhaltung die Rede gekommen. Jemand sagte: „Nun gut, wir Alteren können nicht mehr mit, aber wir sehen ein, daß die neue Form diejenige ist, in der unsere Kinder bauen und wohnen müßten." Das war ein guter Schluß. Freilich, der beste wäre, wenn auf diese kluge Resignation nun auch — durch die überaus fähigen Hände unserer, der jüdischen Künstler — auch die lebendige Tat folgen würde, die das leichte, lichte und frische Wesen der neuen Baukunst in unsere Wohnung brächte. Vom Kunsthaniwerk Die ,,Union deutsch-österreichischer Juden" hat vor einigen Tagen einen bemerkenswerten Vortrag veranstaltet. Es sprach Julius Carlebach, ein Student der Kunstgeschichte, über jüdisches Kultgerät. Die klare Darstellung unterstützten mit lebhafter Wirkung Bilder von Gegenständen, wie sie für die Ausstattung der Synagoge und für den Dienst bei unseren Festen, auch im Hause, seit alten Zeiten, gebraucht werden, — also der heilige Schrein und seine Vorhänge, die Mäntelchen, die Schilder, die Wickel und die Kronen der Thorarollen, die mann ig lachen Leuchter, die Gewürzbüchsen, die Becher, die Gefäße für den Ethrog, Pessachschüssel und Purimteller, aber auch noch manches andere. WTas da zu sehen war, war alles alt oder doch altertümlich. Aber von sehr verschiedener Herkunft. Ost und West und mehrere Jahr hunderte traten hier zusammen. Die Künstlernamen sind in den wenigsten Fällen bekannt. Es ist schon viel, wenn man das Gebiet und die Zeit der Entstehung auch nur einigermaßen bezeichnen kann. Wie gesagt: schon viel — aber nachgerade: zu wenig. Was wir schon früher einmal, in einem anderen Zusammenhang, festgestellt haben, muß hier wiederholt werden. Man kann es nicht scharf genug betonen : Im letzten Menschenalter hat das jüdische Sammelwesen, besonders durch öffentliche Museen in allen Ländern, ungemein zugenommen, aber die entsprechende museale Wissenschaft liegt nach wie vor im Argen. Diesem Übelstand kann unseres Erachtens wirksam nur dadurch begegnet werden, daß einige jüdische Großgemeinden mindestens zwei bis drei Stipendiaten für diesen Zweck sorgfältig ausbilden lassen. Jedenfalls ist der heutige Zustand unhaltbar. Er hat auf dem diesbezüglichen Gebiete der Kunstforschung nicht nur eine beschämende Unsicherheit, sondern auch eine gefährliche Verdunkelung und Verwirrung der Grundbegriffe gezeitigt: Nur weniges von den überkommenen Arbeiten des Kunsthandwerkes ist frische, naive und darum auch köstliche jüdische Volks-