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Menorah · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. Seite 128

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Article
Aus dem Kunstleben
Date
1931-03-01
Page
Seite 128 (sequence 4)
Language
German
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128 MENORAH kunst, alles andere ist Lehnkunst — jüdisch nur in der gesetzlichen Vorschrift, der es folgt, und in der Anregung des Stifters, sonst aber nach Arbeit und Form Anleihe und Nachlese. Und selbst diese wesentliche Unterscheidung wird nicht immer getroffen, wird jedenfalls nicht in ihrer ganzen, entscheidenden Tragweite erkannt. Sonst könnte es nicht dahin kommen, daß man bei jeder Gelegenheit — in Ausstellungen, Artikeln und Reden — das Spärliche, Kunstlose, aber Eigentümliche immer wieder nebenher gehen, jene Ableger fremder Kulturen aber über Gebühr hervortreten läßt — und das auch dann, wenn sie im Verhältnis zu dem übrigen Handwerk der Zeit mir wenig bedeuten oder gar als längst überholte Anachronismen erschei nen. Und die Wirkung? Das Publikum, unbekannt mit den treibenden Kräften und Eigenschaften echten Kunstschaffens, kehrt den bescheidenen, unbeholfenen Regungen der jüdischen Künstlerseele den Rücken, um dem vergleichsweise vollkommenen und schönen Produkt nichtjü discher Fertigkeit seine ganze Bewunderung zu schenken. Und im übri gen das Gleiche zu tun wie unsere Vorfahren, die nicht anders konnten. Denn wie diese nichts Bedenkliches daran gefunden haben, um 1800 ein Kultgerät im barocken Stil herstellen zu lassen, so gehen die Bewunderer solcher Stücke dann hin und lassen für ihre Synagogen Stickereien und Metallarbeiten nach alten, allmählich zeitlos gewordenen Vorbildern anfertigen. Für diese Vermischung der grundlegenden Vorstellungen ist vor allem die jüdische Musealwissenschaft verantwortlich. Da sie nicht genug genau, nicht genug eindringlich zwischen der lebendigen und der entlehnten Gabe unterscheidet, kann sie nicht verhindern, daß sich beim Laien statt der richtigen Einsicht die Pietät der Sache bemächtigt, um alles in ihrem unbestimmten Gefühl durcheinanderzubringen. Und auch damit noch nicht genug. Das unberatene Gefühl von Menschen, die im Bannkreis westlicher Kultur herangewachsen sind, neigt in Dingen der Kunst nur natürlich nach der Seite der Assimilation. Bevorzugt also wieder jene Lehnkunst, die niemals ganz lebendig, niemals rein jüdisch gewesen ist. Begreiflich, daß diese Menschen — befangen im Assimilierten und Antiquierten — dann auch für die lebendige Gegenwart des jüdischen Kunsthandwerkes kein rechtes, kein williges Verständnis aufbringen. Das aber müßte das neue Ziel aller Beteiligten, auch der Musealisten unter uns, werden. Unsere Vorfahren hatten keine Wahl. Wir haben überall trefflich geschulte jüdische Handwerker. Nach der ehrfürchtigen Betrachtung unserer alten Ritualkunst, die mehr ein

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