Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Aus dem Kunstleben
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 126 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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126 MENORAH des Zimmers wird es vernünftigerweise nicht einfallen, zu fordern: „Ach was, weg mit dem modernen Unfug, bleiben wir bei den guten altdeutschen Einrichtungen, wovon ich ein so rares und behagliches Exemplar besitze!" Man sieht: so lange es in dem vorliegenden Falle um die rein persönliche Beziehung des Bewohners zu dem Elternzimmer ging, war das Recht auf seiner Seite, — aber der Sprung in eine Verallgemeinerung führt zu einem haarsträubenden Unsinn. Jeder mag nach seinem Sentiment oder nach seiner Pietät dem Vergangenen nachleben, aber er darf daraus nichts für die anderen folgern. Übrigens steht auch in den konservativen Kreisen die Konsequenz nicht auf gar zu festen Füßen. Das hat sich bei derselben Gelegenheit klar erwiesen. Das Gespräch kam auf die Menschen. wrelche die Häuser von heute bewohnen. Ganz besonders auf die Frauen — den Sport, die Körperpflege, die Frisur, die Kleidung. Und in dieser Sache war ja schnell eine völlige Einigkeit erzielt. Daß der sportgepflegte Körper mit dem kurz geschnittenen Kopfhaar und dem entsprechenden Kostüm nicht gut eine Handtasche mit Lederhenkel, eingepreßten Ornamenten und angenähten Metallstücken, also etwa ein Muster anno 1870 vertrage, das hat allen sofort eingeleuchtet. Das ist von allen, auch von den stillen und offenen Bekennerinnen der antiquierten Zimmerein richtung und des stilkopierenden Möbels, als eine lächerliche Zumutung empfunden worden. Aber die Konsequenz? Natürlich ist es nicht möglich, das Möbel so häufig zu wechseln wie den Apparat der Mode. Nicht möglich und nicht nötig. Denn auch in unserer Zeit, einer Zeit der lebendigsten und deshalb auch schnellsten Entwicklung des Bauwesens, ist das Tempo der Mode weit schneller geblieben. Wer auch nur einmal — durch eine bloße Umstellung seines Hausrates, durch Entfernung des Überflüssigen und eine bescheidene Ergänzung, durch eine völlig neue Einrichtung oder gar durch einen Neubau, also je nach seinen Mitteln — den gleichen Schritt mit dem Geist der Zeit nun auch in seiner Wohnung, diesem natürlichen Sammelpunkt seines Lebens, einhält, hat genug getan. Und ist er auch das zu leisten nicht imstande, dann tut er genug, wenn er nur einsieht und zugibt, wie schön, wTie nötig es wäre, diese Einhelligkeit herzustellen. Kurzum: es gilt, die lässigen, herkömmlichen Vorstellungen vom Gemütlichen" zu revidieren und durch „Geistesgegenwart", durch ein klares, reines Zeitbewußtsein, richtigzustellen. Die Wege, um die neu gewonnene Einsicht zu verwirklichen, werden sich dann leicht finden lassen. Denn alle Kräfte hiefür stehen schon bereit.