Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Aus dem Kunstleben
- Date
- 1931-03-01
- Page
- 125 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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AUS DEM KUNSTLEBEN Bauen und VPoJinen Wir sprachen unlängst, im Anschluß an den Artikel im letzten Heft unserer Zeitschrift, von der neuen Art zu bauen und zu wohnen. Die Gesellschaft, in der das Gespräch vor sich ging, bestand aus Vertretern bürgerlicher Kultur. Es waren durchwegs Frauen, -— geistig regsame, lebhaft interessierte Frauen. Natürlich sahen sie, was da erörtert wurde, von ihrem häuslichen Standpunkt an. Und diese nur natürliche Grenze ihres Gesichtskreises wurde dann noch verengt durch die bedrohliche Wirtschaftslage des Augenblicks. Trotzdem kann man sich für die Sache, die zur Frage stand, für die Aufklärung, die es zu besorgen galt, kaum ein besseres Publikum wünschen. In diesen Kreisen ist der Hang zur Tradition sehr stark, ja er ist es in solchem Maße, daß er, wenigstens anfangs, wie eine eingefressene reaktionäre Befangenheit des Geistes erscheint, gegen die jeder Kampf aussichtslos wäre. Aber bald merkt man, daß sich da nicht ein festes Verhältnis zur Form der Dinge und nicht eine bestimmte allgemeine Anschauung ausspricht, sondern nur ein familiäres Gefühl. An sich gesund und gut, zeigt es hier seine schwache Seite. Auch diese Schwäche ist schön. Aber es ist eine Schwäche. Und eben deshalb läßt sie sich bekämpfen. ,,In unserem IIaus"\ — so etwa formuliert sie, — „ist eine Stube mit altdeutschem' Möbel. Die Eltern haben viele Jahre Arbeit gebraucht, ehe sie so weit waren, um sich diese Einrichtung anschaffen zu können. Und sind nicht wenig stolz darauf gewesen. Wir Kinder aber sind mit diesem Möbel aufgewachsen. Zugegeben, daß es heute veraltet ist, daß es mit seinen schweren, geschnitzten und Ungetümen Formen fast den ganzen Raum für sich aufbraucht, daß vieles daran umständlich oder gar überflüssig geworden ist und allzuviel Mühe beansprucht, um ordentlich gehalten zu werden . . . trotzdem würde ich es um keinen Preis hergeben. Denn ich kann mir nichts Gemütlicheres vorstellen." Dieser Schlußsatz enthält den Kern eines weit verbreiteten Gedan kenganges. Denn er zeigt am deutlichsten, woraus hier alles herkommt, worauf alles hinzielt: die Wohnung als Gemütswert im Sinne einer familiären Überlieferung. Und dieser Gemütswert ist — selbstredend — unbestreitbar. Kein vernünftiger Mensch wird einer Person, die ein solches Zimmer besitzt und betreut, entgegnen: „Das ist ein Atavismus, von dem Sie loskommen müssen.'1 Aber auch dem glücklichen Besitzer