Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Aus der Geschichte der jüdischen Frau
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 123 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2912821-2912908-2912911-2926493--10052-2926617- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
AUS DER GESCHICHTE DER JÜDISCHEN FRAU 123 Verfasser eines zeitgenössischen Buches in seiner Vorrede mit Stolz hervorheben können, daß dies Buch „nit von Einem getracht und nit aus dem Kopf gemacht" sei. Sondern „geklaupt und aus allen Sforim bekommen" war die Zenne Renne: und das war ihr bester Ruhm. Denn damit ward sie nicht mehr das Werk eines Einzelnen, sondern wurde zum Werke ganzer Geschlechter. Zwei Quellen vor allem liegen den Einzelerklärungen des Buches zugrunde — und werden nach der Weisung der Väter auch jedesmal getreulich erwähnt: Die Eine ist Raschi, der große Midraschsammler und zugleich der Erste, der den einfachen Wortsinn seinen Erklärungen zugrunde legt — eine Eigenschaft, die ihn grade diesem Volks buche ganz besonders anziehend machen mußte. Aber neben ihm erscheint mit eigentümlicher Vorliebe „der Bechaji", Rabbi Bachia ibn Ascher ibn Chalawa, der spanische Jude, der einst in Saragossa den Pentateuch teils kabbalistisch, teils philosophisch-rationalistisch erläuterte. Entsprechend diesen zwiefachen Quellen sind es vorwiegend zwei Strömungen, die unsre Sammlung durchziehen: Musar und Maschal, Moral und Märchen. Und wenn die oft überraschend edlen und menschlich zarten Musar-Predigten sich mit der strengen Welt der Halacha vergleichen lassen, wie man sie den Frauen zugänglich machte, so überströmte die Leserinnen der unversiegliche Bronnen der Märchen und Sagen, Legenden und „Moschelchen", wie ein goldner Regen mit allem Zauber der Hagadah. Einige wenige Proben mögen dem Leser einen Vorgeschmack von der Stoffülle des Buches geben. Gleich die erste Seite bringt uns den ergötzlichen Wettstreit zwischen den beiden ersten Buchstaben des Alphabets, die sich um die Ehre streiten, die Thorah zu beginnen. Dann werden die Urväter auf ihren Wanderungen begleitet; die Lücken zwischen den wortkargen Zeilen der Schrift werden mit Väterweisheit und Mütterworten ausgefüllt — bis die knapp und scharf umrissenen Helden und Heldinnen unsres klassischen Schrifttums anfangen, ihr tief eignes menschlichgemütnahes Leben zu führen. Die Bibel zeigt sie uns nur in den großen Momenten ihres Lebens: Erwählung, Prüfung, Verklärung. Hier aber hören wir, was vorher und was nachher war; erfahren, warum Gott den Abraham prüfen mußte — der Satan trat vor ihn, wie er im Buche Hiob und im Faust erscheint, und verdächtigte den Gottesknecht — und wir hören, warum Isaak die Mutter am meisten vermißte: nicht mehr leuchteten die Sabbatlichter aus ihrem Zelt, die bei ihren Lebzeiten von Freitag bis zum Freitag geleuchtet hatten . . . Als die ersten Auflagen der Frauenbibel erschienen, da wütete der