Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Aus der Geschichte der jüdischen Frau
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 124 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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124 MENORAH Dreißigjährige Krieg in Deutschland. Aber „eine feste Burg" scheint die Welt des jüdischen Hauses zu umgeben. Zu einer Zeit, da der Erdball erzitterte und da die Juden, wie wir nur zu gut wissen, nicht am wenigsten Grund zum Zittern hatten, da hören wir auf den Blättern dieses Hausbuches nichts von der Not der Zeit und nichts von den Bedrückungen der Umwelt, nichts von den grausen Schicksalen der Juden, wie wir sie aus andern zeitgenössischen Berichten kennen. Ein neuer Himmel und eine neue Erde tun sich hier vor uns auf; hier brennen die Sabbatlichter wie im Zelte der Sara vom Freitag bis zum Freitag — und gut tut's, bei ihnen einzukehren. Die Welt wird hier ein festgefügter Bau, von Gott dem Menschen übergeben. Sonne und Mond sind für den Menschen nur geschaffen — warum? fragt die Frauenbibel und weiß sogleich die Antwort: damit man weiß, wann es Zeit ist, Morgen- und Abendgebet zu sagen. Der heitern Weltfrömmigkeit dieses klaren Auges erscheinen auch die großen Schmerzen, die kein Menschenleben verschonen, in versöhnendem Lichte. Alter — Krank heit — Tod: die drei unheimlichen Gäste, die sich zu jedem Menschen an den Tisch des Lebens setzen, werden in tiefsinniger Erzählung aus dem eigenen Willen des Menschen erklärt. Daneben aber begegnen uns sehr reale wirtschaftliche Ratschläge fürs praktische Leben, etwa für die Vermögensverwaltung, wie sie die Frauen der Zeit wohl von Tag zu Tag brauchen konnten; sie erinnern uns an die Zeit, da nicht selten die Erhaltung des Hausstandes in den Händen der jüdischen Frau lag, die den Handel betrieb, während der Mann im Beth Hamidrasch saß und „lernte". Ja — zu Zeiten spricht sich eine fast skeptische Lebenserfahrung und zumal Frauenerfahrung hier aus; wenn etwa von den zwei Ehefrauen erzählt wird, die einst die Männer der Vorzeit hatten: eine zum Lieben und eine um Kinder von ihr zu bekommen. Hier denkt man an die alte Sage, die sicherlich nur Sage war, daß die Frauenbibel gar nicht von Rabbi Jakob ben Isaak, sondern von einer unbekannten Frau verfaßt worden sei. Es ist ein Verdienst der neuen Wiedergabe, daß die Übersetzerin vor allem danach strebte, den Reiz und die Frische, die in diesem volkstümlichen Sprachgewande lagen, zu bewahren. Denn seit der ersten lateinischen Ubersetzung der Frauenbibel um 1660 zeigte sich noch in jeder hochdeutschen Übertragung, daß der Reiz des Originals verblichen war. Erst hier gelang es, diesen lange verschütteten Brunnen, der unsre Urgroßmütter labte, wieder zum Leben zu erwecken. Anra.: Diese Ausführungen, ursprünglich, bestimmt, Berta Pappenbeims Übertragung: der „Frauenbibel*1 (Kauffraann Verl. Frankfurt a./H.) einzuleiten, konnten aus besonderen Gründen dort nicht gedruckt werden.