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Menorah · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. Seite 122

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Article
Aus der Geschichte der jüdischen Frau
Date
1931-03-01
Page
Seite 122 (sequence 4)
Language
German
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122 MENORAH den Titel seines Lieblingsbuches um; Zenne Renne hieß das Buch im Munde seiner Leserinnen. Wodurch gelang es diesem Buche, vor allen seinen Genossen, sich die Liebe des jüdischen Hauses zu erringen und zu bewahren? Die Frauenbibel erstrebte nichts Geringeres als die gesamte häusliche Begleitung des jüdischen Jahres. In ihr fand man erst das „Teutsch Chumesch", die jüdisch-deutsche Übersetzung jedes einzelnen Bibelverses im Pentateuch und in den Haftaroth — also den gesamten Lehr inhalt der allsabbatlichen Vorlesungen aus der Thorah und den Propheten; dann aber — und das bildet den Hauptinhalt des Buches: die Erklärung jedes einzelnen Verses nicht nur, sondern jedes einzelnen Wortes; ja manchmal: jedes einzelnen Buchstabens. Wenn man gesagt hat, daß es die eigentümliche Aufgabe jedes jüdischen Geschlechts sei. die alte Väterbibel immer von neuem und immer neu auszulegen — so hat die Zenne Renne für ihr Geschlecht und für viele folgende treulich diese Arbeit geleistet. Wie aber konnte es geschehen, daß Generationen von Frauen, die dem Bilde entsprachen, welches etwa das ,,schön Frauenbüchlein" von ihnen entwarf und, rasches Tun und Entschließen gewöhnt, wenig geneigt sein mochten, sich gelehrten Forschungen hinzugeben, hier nichl nur Erbauung, sondern auch Ergötzung fanden? — Das lag in zwei Eigenschaften dieses seltsamen Buches begründet: in seiner Methode und in seinem Inhalt. In der Frauenbibel und ihrem Kommentar zur Heiligen Schrift bietet sich uns — das fällt zuerst auf — durchaus nicht etwa eine gedankliche Darlegung, weder eine philosophische Abhandlung, noch eine Kanzelpredigt. Jeder einzelne Gedanke wird in seiner Entstehung gezeigt: in seiner Geburt aus der Frage. Bekannt ist ja die Rolle, welche die Frage im Geistesleben des Juden spielt: nicht nur der Seder-Abend ist eigentlich nichts weiter als ein einziges großes Frage- und Antwortspiel jüdischer Erziehungskunst; auch seine Quelle und die Quelle der Frauenbibel, die Methode des Talmuds, besteht in Frage und Antwort. Aus diesem tiefen Brunnen schöpft denn auch die Zenne Renne das Geheimnis ewig lebendiger jüdischer Kunstform. Hier löst sich, wie mir scheint, eins der Rätsel ihrer Wirkungskraft, sie führt uns mitten hinein in dieses geistige Ballspiel zwischen Frage und Antwort, Spannung und Entspannung. Dem bescheidenen Rabbi Jakob ben Isaak wäre es wohl am aller wenigsten eingefallen, das Gedankengut dieser Frauenbibel als sein alleiniges Eigentum anzusehen. Vielmehr hätte auch wohl er wie der

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