Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Aus der Geschichte der jüdischen Frau
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 121 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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AUS DER GESCHICHTE DER JÜDISCHEN FRAU 121 . . . schönen alten Sagen Engelmärchen und Legenden Stillen Märtyrerhistorien Festgesängen, Weisheitssprüchen Auch Hyperbeln gar possierlich . . . All dies wuchernde Nebeneinander mußte sich demnach auch in dem Buche verkörpern, das vor allen seinen Genossinnen zur Welt der jüdischen Frau gehörte: in der jüdischen Frauenbibel, nach alter Sitte mit den Anfangsworten eines Verses aus dem Lied der Lieder „Zeennoh ureenoh" — Kommt hinaus und schauet — genannt. Kein andres Buch hat in den jüdischen Häusern der letzten Jahrhunderte eine solche Rolle gespielt, war so eng verwachsen mit der Erinnerung an unzählige Freitag-Abende im Winter und Sabbat-Nachmittage im Sommer, da die fleißigen Hände der Hausmutter ruhten und, wie es kürzlich Schemarja Lewin in seinen Lebenserinnerungen erzählte, die Weiber des Orts sich einfanden und mit der Hausfrau aus der Zenne Renne ,,lernten". Wer Glück hat, der kann noch heute — etwa in Süddeutschland oder im Osten — Patriarchinnen treffen, die in diesem Buche leben. Nie vergesse ich selbst die Neunzigjährige, die Urgroßmutter, die mir das alte Buch zeigte, das schon ihr seliger Vater, der hochberlihmte Würzburger Raw. „unser Judith ihr Tauroh" genannt hatte. Denn aus seiner überlegenen Kenntnis jüdischen Geisteslebens in der Vergangenheit heraus hat der Würzburger Raw mit diesem Worte wirklich das innerste Wesen die ses Buches getroffen. Die „Zenne Renne", wie unsre Mütter sie nannten, ist wirklich „die Thorah der Frauen". Mit vollem Recht darf die Übersetzerin des vorliegenden Buches sie als ,,Frauenbibel" bezeichnen. Die Nachrichten über das erste Auftauchen dieses Volksbuches sind kärglich und unbestimmt. Wohl am Ausgange des 16. Jahrhunderts entstand es und wurde etwa um 1600 in Lublin gedruckt; schon 1620 erschien in Krakau eine zweite Auflage, in rascher Folge danach eine ganze Reihe Neuauflagen bis zum 18. Jahrhundert hin. Denn weit über Moses Mendelssohns Zeit hinaus noch beherrschte die „Zenne Renne", wie das Volk sie nannte, das geistige Leben der jüdischen Frau. Der Verfasser, Rabbi Jakob ben Isaak Aschkenasi, dessen Heimat von den einen nach Janow — oder Janowa —, von den andern nach Prag verlegt wird, hatte auf dem Titelblatte seines Buches den Frauen, seinem erwählten Leserpublikum, die Worte des Hohen Liedes zuge rufen: „Zeennoh urennoh benaus Jeruscholajim" — ,,Kommet hinaus und schauet, ihr Töchter Jerusalems!" Danach bildete sich das Volk