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Menorah · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. Seite 116

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Article
Durch Spanien und Portugal
Date
1931-03-01
Page
Seite 116 (sequence 18)
Language
German
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11G MENORAH Unser Exkurs über diese Bilderbibel beweist jedenfalls, daß in Kastilien damals ein harmonisches Zusammenarbeiten von Christen und Juden an einem so überaus heiklen Gegenstände, wie einer Bibelübersetzung, möglich war, eine Harmonie, die der Bildungsstufe der Beteiligten ein ehrendes Zeugnis ausstellt. So gewinnt auch an Glaubwürdigkeit eine Anekdote, die von einem jüdischen Chronisten Spaniens überliefert wird. Eine Königin wurde bei einem Gange durch die Stadt von einem Kitter ihres Gefolges auf eine Synagoge aufmerksam gemacht, die dicht neben einer Kirche stand. Sie soll geantwortet haben: „Lasset sie nur weiterhin gute Nachbarschaft halten, bis sie gemeinsam dem Alter zum Opfer fallen." Bedenkt man die fünfhundertjährigen ununterbrochenen Kämpfe der Mauren und Christen miteinander und jeder dieser Gruppe wieder untereinander, so will es einem als ein Rätsel erscheinen, daß in allen diesen Wirren und Reibungen sich die Juden in Spanien behaupten konnten. Sie mußten doch in allen diesen Kämpfen Partei nehmen, beteiligten sich vielfach tapfer an ihnen und waren im Falle einer Niederlage der unbarmherzigen Rache des Siegers ausgeliefert. Und doch sind sie das jenige VolkseLement in Spanien, das sich im Wandel der Jahrhunderte am längsten behauptet hat. Sie erfreuten sich im Königreiche Cordova vollständiger Autonomie, hatten lange Zeit ihre eigene Gerichtsbarkeil, verhängten auch, allerdings mit Genehmigung des Königs, die Todesstrafe, besonders über Verleumder, deren giftiger Aussaat nicht selten ganze Gemeinden zum Opfer Helen. Es ist zu beachten, daß die hebräischen Worte für Verrat und Verräter m a 1 s i n n t und in a 1 s i n in die spanische Sprache übergegangen sind. In welch reger Verbindung sie mit den Juden des Auslandes standen, beleuchtet der Umstand, daß im 9. Jahrhundert der Jude Suleiman aus Andalusien nach China reiste, wo er in den Städten hebräisch redende Juden antraf, und daß im 10. Jahrhundert Chasdai ihn Schaprut, der Minister des Sultans von Cordova, Kenntnis vom Bestehen des jüdischen Chasarenreiches im südlichen Rußland hatte und mit dem Chasarenkönige Josef in Briefwechsel treten konnte. Die Vermittler waren slawische Händler, wie man vermutet, Kroaten. Die slowenische Leibgarde Hakems I. (9. Jahrhundert) weist u. a. auf Beziehungen zu diesem Lande hin. Doch könnten es auch Tschechen gewesen sein, die, wie in der Krim noch heule, so im Mittelalter wTohl auch an der Ostküste Spaniens Kolonien hatten. Eine Skizze von Svatopluk Cech hat mich auf den Gedanken geführt, daß auf diesem Wege am leichtesten von der Krim nach Andalusien Nachrichten gelangen konnten. Nach der Zerstörung des Chasaren-

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