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Menorah · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · p. Seite 86

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Article
Die Rache des Renegaten
Date
1931-01-01
Page
Seite 86 (sequence 4)
Language
German
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86 MEN ORAH die Haidamaken hatten sich buchstäblich in eifrige Menschenfänger verwandelt. Sie packten alle ohne Ausnahme, trieben grünwangige Bürschlein und bemooste Greise zu Herden zusammen, eiferten sie mit graziösen, kleinen Peitschen zu ungewohnt gleichmäßigem und einheitlichem Marschtritt an, behielten sie ganz unnötigerweise ohne Nahrung einen Tag und auch zwei Tage lang im „Schloßdas gleichzeitig als Kaserne, als Stabsquartier, als Spital und als Folterkammer diente. Und sie ließen die gemarterten Leute nur deshalb frei, um neuerdings auf sie Jagd zu machen. Kein Zweifei, in diesem Merischenfang lagen Elemente von zügellosem Sadismus. Die Frechheit im Umgang mit den Gefangenen, die Sinn- und Zwecklosigkeit der albernen und erniedrigenden Arbeit, die den Gefangenen auferlegt wurde, alles das zeugte von einem wollüstigen Hohn der einen Menschen über die anderen. Mit bitterem Schmunzeln witzelten die Juden über ein zweites Ägypten. Aber witzeln konnte jeder bloß für sich. Denn der Verkehr zwischen den Menschen hörte irgendwie langsam auf, das ganze Leben verwandelte sich auf sonderliche Art und nahm neue, bis dahin ungesehene Formen an. Ein eigenartiges, neues, wunderliches Höhlen- oder richtiger gesagt, Kellerdasein entstand, eine merkwürdige, amazonenhafte matriarchalische Handels- und Verkehrsform faßte Fuß. Die Kosaken wüteten. Sie legten Kontributionen auf, sie drangen zu den unpassendsten Stunden in die Häuser ein, drohten mit allen Strafen, quälten unbarmherzig die wenigen Pechvögel, die ihnen in die Hände fielen, aber nichts half. Die Männer und sogar die jungen Frauen versteckten sich geschickt vor den Menschenfängern; bei den Haustoren, in den Wohnungen, in den Läden, auf dem Markt, auf der ,,Börse", überall sah man bloß, der Sachlage völlig angepaßt, geschäftige und komisch ernste alte Weiber und kleine Mädchen, die offenbar die ausschließliche Phantastik und ungeheuerliche Seltsamkeit ihres Lebens gar nicht mehr empfanden. Ganz besonders tobte ein junger Unteroffizier, ein Teufeiskerl, der sich mit größtem Eifer der Menschenjagd hingab, stets mit einer Gerte zwischen den arbeitenden ..Gefangenen" umherspazierte und scharf darauf sah, daß sich ja kein Rücken aufrichte. Und gerade in dem Kopfe dieses Unteroffiziers reifte der Plan, dessen Verwirklichung, oder besser gesagt, NichtVerwirklichung, unmittelbar zu der schrecklichen Nacht in P. führte. Dieser Unteroffizier brachte in Erfahrung, daß sich manche Juden, allen Schrecken zum Trotz, an Samstagen, in den ersten Morgenstun-

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