Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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74 MENORAH in die Grube hinunter, die als Keller diente, hob von einem Faß mit Sauerkraut den Deckel auf und nahm eine Handvoll davon. „Bei Gott, ausgezeichnet! Sie sind ein richtiger Kolonist!" Er fragte mich noch über andere Dinge aus und schloß: „Kommen Sie Sonntag zu mir, meine Frau will etwas für Ihre Bibliothek tun. . Nun, werden Sie kommen?" sagte er im Befehlston und fuhr davon. Andern Tags, am Sabbath, besuchte mich mein Freund Schul/ mit dem jungen Lehrer der Schule, Herrn Benlala, einem sehr freundlichen spaniolischen Juden, und sie erzählten mir, daß Brandes Lapin geraten habe, mich nicht zu schikanieren, da Casez mich und noch einige zu den besten Kolonisten zähle und dies auch nach Paris berichtet habe. „Der Baron hat Kenntnis von Dir!" versicherte mich Schulz. ,.l)u brauchst die Administration nicht zu fürchten, noch weniger die russischen Denunzianten. Du kannst bei Lapin alles durchsetzen. Du kannst hinfahren ..." Sonntag fuhr ich nach Algorobo, wo ich vor dem ..Tränenzaun" eine Menge von Leuten vorfand. Der kinderreiche I. Droll stand mit seiner Frau und den achl Kindern vor der Tür des Zimmers, wo Lapin und die fünf „Notablen'" saßen und über Leben und Tod richteten. . . . Die Frau weinte und jammerte, ihr unbeholfener, einfältiger Mann glotzte mit seinen frommen Kalbsaugen, stand da wie vor der Schlachtbank und sprach zu den anwesenden Kolonisten: ,,Dies ist die zweite Vertreibung. Vor drei Jahren hatte mich der Präfekt aus dem christlichen Dorfe vertrieben, und jetzt vertreiben mich die Vertreter des Barons aus dem jüdischen Dorfe. . . . Wohin soll ich mit den acht Kindern?" Im selben Augenblick trat ein Delegierter flammenden Gesichts und mit wehendem Bart aus dem Zimmer und brachte die Botschaft, daß die Familie Droll 500, Elijahu und Frume Palatnik 200 und Schiniel Jonik 150 Pesos erhalten werden. . . . Dabei hatte dieser Wohltäter betont: ,,In Anbetracht dessen, daß diese Familien ehrsame Leute sind und beileibe nicht irgend eines Vergehens wegen aus der Kolonie ausgestoßen wurden, sondern — hier näselte er ein wenig, damit es nicht alle hörten — um zu verhüten, daß sie der Gemeinschaft zur Last fallen, darum wünscht Herr Lapin von ihnen eine Erklärung, daß sie keine Kolonisten sein wollen, da ihnen diese Arbeit zu schwer falle. . .