Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 73 Hirsch selbst eine Vollmacht besaß, konnte er über Leben und Tod befehlen. . . . Er erwählte sich aus den Kolonisten eine Kommission, legte ihnen den Titel Vorsteher bei, damit sie ihm bei der Durchführung seiner Pläne Hilfe leisten. Er war ein großer Diplomat, dieser Herr Lapin. Zu seinem ersten Ratgeber ernannte er sich den größten Gegner der Ica, ihm übergab er in der Kommission den Vorsitz und versprach ihm auch eine Stelle. Damit hatte er zweierlei erzielt: er wurde einen Gegner los und erhielt einen Mithelfer, der nichts mehr verlangte als einen kleinen Ehrenposten, und der seinem Charakter nach ein Freund der Knute war, mit der er nach russischem Muster umzugehen liebte____ Ebenso stand es mit den anderen vier Mitgliedern der Kommission. Mit Hilfe dieser fünf Leute richtete Lapin die neue „Schlachtbank" der Kolonisation auf; und nun konnte das saubere Handwerk seinen Anfang nehmen. Yssruel Lissin, M. Saffian und Meier Honig waren die ersten Opfer. Ohne vorherige Verständigung wurden diese drei Familien auf Fuhrwerke gebracht und aus der Kolonie ausgewiesen. Das waren gefährliche Revolutionäre. . . . Und so geschah es auch mit anderen Leuten. Die Kolonie geriet in Erregung. Diejenigen, die früher einmal bereit waren, alles stehen zu lassen und davonzulaufen, wollten jetzt, als Kinder des „hartnäckigen Volkes", justament dableiben. Lapin selbst, der mit drei Opfern genug hatte, wusch sich dann die Hände in Unschuld und wurde ein Heiliger. ... Er befahl der Kommission, ihm nur eine Liste jener Leute zu überreichen, die nach allgemeinem Urteil als Schädlinge der Kolonie galten. . . . Die Kommission begann zu arbeiten. Es stellte sich heraus, daß es diese sauberen Vorsteher auf ihre nächsten Nachbarn abgesehen hatten. Sie wollten sie einfach loswerden. Der Mensch hat große Augen. Er findet an nichts genug. Das ist Kains Erbe. Sie wollten sich auch des Bodens ihrer Nachbarn bemächtigen. Lapin hatte die Absicht unserer Vorsteher bald gemerkt, und er hörte auf ihre Meinung nicht. Er bediente sich ihrer nur dann, wenn es ihm lohnte. Aber die Schuld schob er immer ihnen in die Schuhe. Was mich betraf, der ich ebenfalls auf der Liste stand und den die Kommission draußen haben wollte, so hatte ihnen Lapin gesagt: „Überlaßt es mir, ich selbst will ihn examinieren!" An einem Freitag mittags fuhr Lapin vor meiner Hütte vor. „Was machen Sie, A.?" fragte er mich lächelnd und sah sich in meiner Besitzung um. „Was haben Sie hier im Keller?" Und er kroch