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Menorah · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · p. Seite 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Article
Arabisches Vizekönigtum
Date
1931-01-01
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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30 MENORAH der Westen mit nur halb soviel Einwohnern! — ist aus der Untersuchung ausgeschlossen. Und wäre das Mandatsgebiet selbst „voll", so ließe sich ohne übermenschliche Schwierigkeiten durch Umsiedlung landlos werdender Araber in die angrenzenden Täler des Euphrat und Tigris Raum für eine Massenkolonisation schaffen. Der Völkerbundausschuß zur Ansiedlung der griechischen Flüchtlinge hat unter englischer Leitung in einem Jahr anderthalb Millionen Griechen, die anderthalb Jahrtausende länger in Kleinasien lebten als die Araber in Palästina, nach Griechenland überführt. Die Italiener haben soeben, fast ohne daß die Welt davon Kenntnis nahm, achtzigtausend der kriegerischsten Araber aus dem Innern Tripolitaniens an die Küste verpflanzt. In Palästina würde es sich jährlich — nach den Zahlen über die jüdische Gesamtwanderung aus allen Ländern der Welt — um den kleineren Teil selbst der italienischen Ziffern handeln, also weniger als vierzigtausend Seelen. Der politische Widerstand der Araber hat nicht ausgereicht, um in irgend einem Teil des arabischen Länderkomplexes auch nur die Erreichung eines Zieles der englischen Kolonialpolitik zu verhindern oder auch nur nennenswert zu stören. Als Herbert Samuel im Jahre 1925 die Einwanderung von 35.000 bis 40.000 Juden zuließ, konnten sie flas ebensowenig vereiteln, wie das viel mehr fortgeschrittene Syrien die Ansiedlung von hunderttausend Armeniern trotz aller Einsprüche gegen die Bildung eines „armenischen Nationalheims" verhindern konnte. Man darf sich durch die Anwendung europäischer Worte auf orientalische Verhältnisse nicht täuschen lassen. Nationalbewegung und Aufstand bedeutet im Orient etwas anderes als in Europa, denn die technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Mittel, die europäischen und orientalischen Völkern zur Verfügung stehen, sind so verschieden, wie das Mittelalter und die Gegenwart. Die Masse der orientalischen Völker hat noch nicht den Grad der Zivilisation erreicht, auf dem der nationale Freiheitsdrang zur Triebkraft der großen Mehrheit wird. Ein Aufruhr in Syrien, im Irak, in Palästina oder gar im Nedjd ist um Himmels willen nicht etwa auch nur von weitem etwas ähnliches wie die irische Revolution gegen England. Das tut der Achtung vor den ehrlichen Patrioten aller dieser Länder, die besonders unter ihrer intellektuellen Jugend zu finden sind, keinen Abbruch. Im Gegenteil. Die großen Schwierigkeiten, die dieser kleinen Oberschicht entgegenstehen, müssen die Bewunderung für ihre Zähigkeit steigern. Auch die indischen Mohammedaner können das Kräfteverhältnis nicht ernstlich ändern, denn es ist sehr unwahrscheinlich, daß sie von ihren Forderungen auch nur eine ablassen werden, um dafür ein Zugeständnis Englands an die Araber Palästinas oder eines anderen Landes einzuhandeln. Indische Kolonialbeamte haben westlichen Pressevertretern, die von Jerusalem aus zu ihnen kamen, offenherzig versichert, daß mit der Losung für oder gegen die Balfour-Erklärung in Indien nichts zu machen ist. Indien ist nur als Vorwund für die Politik des Kolonialamts in Palästina brauchbar, und daraus mag es sich erklären, wenn Leute des Indienamtes in London sich anders äußern. Nicht wirtschaftliche oder politische Schwierigkeiten, sondern gerade die Machtlosigkeit der Araber, der Unterschied zwischen der Gefahr einer orientalischen und einer europäischen Nationalbewegung, hat den Kurs des Kolonialamts im Orient bestimmt. Ein arabischer Widerstand gegen die englische Herrschaft macht ihm keine großen Sorgen. Aber es fürchtet das Eindringen einer europäischen Bevölkerung, in diesem Falle der Juden, die eine ernsthafte Unabhängigkeitsbewegung nach europäischem Muster beginnen könnte. Es ist dieselbe Politik, die gerade jetzt auch in Ostafrika auf der Tagesordnung steht und dort genau so wie in Palästina den Landerwerb durch Europäer beschränken will, obwohl diese dort Engländer sind. Das Kolonialamt hat die Erfahrung gemacht, daß die englischen Besitzungen mit europäischer Bevölkerungsmehrheit eine nach der anderen zu Dominien erhoben werden müssen, das

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