Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Arabisches Vizekönigtum
- Date
- 1931-01-01
- Page
- 29 (sequence 1)
- Language
- German
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ARABISCHES VIZEKÖNIGTUM? DER HINTERGRUND DES PALÄSTINA-WEISSBUCHS Von Ernst Davis Jerusalem, im Dezember. Die ganze englische Orienlpolitik isl durch die Palästinakrise wieder aufgerollt worden. Nicht etwa plötzlich, zur Überraschung der nächsten Beteiligten, sondern nach langem Hinuiixl Herzerren. Es steht jetzt fest — nach dem Weißbuch mit der Unterschrift Lord PaßPields kann das niemand mehr bezweifeln: Das Kolonialamt will die Juden nicht in Palästina haben. Es isl von der Politik Lloyd Georges und Balfours, die in diesem Falle die einer großen Zaihl englischer Politiker ist, abgeschwenkt und hat sich von der Balfour- Krklärung losgesagt. Alle amtliehen Behauptungen, es halle nach wie vor daran fest, haben nur taktischen Wert. Die Bitlfour-Erküirung bedeutete mindestens die Bildung einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit in Palästina. Grey stellte das in seinem Briefwechsel mit SasanofT während der Verhandlungen vor ihrer Veröffentlichung ohne Umschweife als die Absieht der englischen Regierung hin1). Herbert Samuel schloß es nach der Veröffentlichung wenige Monate vor seiner Ernennung zum Oberkommissar in seine Definition der zionistischen Ziele ein, und diesen hatte der amtliche Begleitbrief zu der Erklärung die „Sympathie der Regierung Sr. Majestät" ausgesprochen2). Mit der Niederhaltung der jüdischen Einwanderung unter den arabischen Geburtenüberschuß, auf die das Weißbuch nicht formell aber praktisch hinausläuft, werden die Juden dagegen gezwungen, eine Minderheit zu bleiben. Wer die Politik des Kolonialumts seit Beginn der englischen Herrschaft in Palästina verfolgt hat, weiß, daß sein ständiger Beamtenstab von Anfang an bewußt und folgerichtig darauf hingearbeitet hat5), entgegen der Meinung der Welt, denn die Welt richtete sich nach den ganz anders lautenden Worten jedem Zeitungsleser bekannter Staatsmänner in London und nicht nach den Taten unbekannter Beamter. Nicht etwa, daß diese Staatsmänner gelogen hätten. Sie meinten, was sie sagten. Sie hatten und haben zum mindesten nichts gegen und sicher einiges für die Durchführung der Balfour-Deklaralion. Aber der Beamtenstab des Kolonialamts, die ständigen Verwalter der englischen Kolonialpolilik, taten, soweit sie konnten, das Gegenteil, und sie konnten viel. Zweideutigkeit der englischen Politik? Wir wissen, daß es auch anderswo Gegensätze zwischen Parlamentariern und Ressortbeamten gibt. Verzicht auf das Unmögliche? Dann hätte das Weißbuch nicht diesen merkwürdigen Ton, den ein Fraktionsgenosse Lord Paßfields als ,besseres Hitlertum" bezeichnete und Churchill in einem Zeitungsartikel mit dem Alter des Verfassers entschuldigte. Der Simpsonberkht, der zeigen soll, daß kein Platz mehr da ist, bezieht sich nur auf einen kleinen Bruchteil des Mandatsgebiets, und zwar gerade auf den verhältnismäßig am dichtesten bevölkerten, den Küstenstrich zwischen Mitlelmeer und Jordan nördlich von Berseba. Der Süden des Westjordanlandes bis zum Roten Meer und das ganze Osljordanien — dreimal so groß wie 1) Siehe die russischen Kriegsdokuiuente, herausgegeben von der Sowjetregierung. 2) In seiner Rede im Londoner Opernhaus am 2. Ncrvemher i'U9. 8) Diese Tatsache ist inzwischen von dem politischen Referenten der britischen Militärverwaltung in Palästina, dem „Chief Political Officeru Colonel R. Meinertzhagen, in einem Brief an die ^Tirnes* am 21. November 1930 öffentlich bestätigt worden. Colonel Aleinertzhagen erklärt: „. . . Seit ilJ2f> ist unsere Politik in Palästina durch eben die Personen, deren Pflicht es war, die Politik auszuführen, in erbitterter Weise begrenzt und zusammengeschnitten worden (whittled down to exasperating limits). Obstruktion des Zionismus durch die Regierung Seiner Majestät, durch Personen, die durch Antisemitismus gegen die ungeheuren moralischen und physischen Vorteile der Politik geblendet sind und durch sympathielose Beamte in Palästina wie in Downing Street, haben sich als größere Feinde des Zionismus erwiesen als andere wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten . . .u