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Menorah · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · p. Seite 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Article
Das Heldenlied von der Nadel
Date
1931-01-01
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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14 MENORAH zu organisieren, hatten ihre eigenen jüdischen Führer und hielten treu zu ihnen. Das Ägypten der Elendsquartiere lag hinter ihnen, die Wüste der Desorganisation desgleichen; sie überblickten endlich das Gelobte Land. Einstmal war dieses Gelobte Land ihnen in Gestalt einer Sozialistischen Republik erschienen. In den letzten Jahren aber ist ,,01am Haboh" durch das realistische „Olam Hasen" ersetzt worden. Was die Arbeiter heute wollen, ist die Gewißheit hoher und sicherer Löhne, vernünftige Arbeitszeit, gute Arbeitsbedingungen, das Recht, mitzu reden, wo es um die Führung ihrer Industrie geht, und ein volles, reiches Leben. Es ist nicht zu verwundern, daß ihre Ideale sich so verändert haben, Sie leben nach Mischpatim, die in der Wanderung durch die Wüste improvisiert wurden; es fehlte der Moses, der ihnen das göttliche Gesetz hätte bringen können. _/xls sie anfingen, zogen sich die Schwitzbuden durch alle wachsenden Städte wie eine verheerende Pest. Die Amerikaner, denen die Zukunft ihrer Heimat am Herzen lag, mußten ohnmächtig zu sehen, wie sie ihre böse Saat ausstreuten. Und bald legte man den Neueingewanderten diese Schwitzbudenviertel zur Last, die ja wirklich eine neue Erscheinung waren. Nicht genug an dem, daß sie unter dem Übel zu leiden hatten, man schob ihnen noch die Schuld an seinem Dasein zu, ja man behauptete, sie hätten eine Vorliebe dafür. Ein Staatsbeamter aus Pennsylvanien schrieb wörtlich: Russische Juden ziehen offenbar den Dreck der Reinlichkeit vor." Und doch hatten schon vor vielen Jahren Beatrtce und Sidney Webb festgestellt, ,,daß alle üblen Erscheinungen der Schwitzbuden auch dort existieren, wo weder Juden noch Ausländer je eingedrungen sind. . . oder wo deren Konkurrenz kaum gef ühlt wird". Heute weiß man auch in Amerika, daß die jüdischen Arbeiter die Schwitzbuden bereits vorfanden. Von aller Anfang an war es die Industrie selbst, die sie geschaffen hatte. Die feststehenden Ausgaben sind in den mei sten Kleiderindustrien ein geringerer Bruchteil der Produktionskosten als in anderen großen Industrien: Regiekosten zum Beispiel, wie Miete, Zinsen, Versicherung, die auch laufen, wenn das Geschäft wenig oder gar nicht geht, sind sehr gering. Daher ergibt eine Massenproduktion keine so großen Vorteile gegenüber einem kleinen Geschäft, und ebenso ist kein zwingender Beweggrund da, um das Saisongeschäft zu einem dauernden umzugestalten; auch ist keine übermächtige ökono- II.

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