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Menorah · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Article
Das Heldenlied von der Nadel
Date
1931-01-01
Page
13 (sequence 1)
Language
German
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DAS HELDENLIED VON DER NADEL oii 1881 bis 1910 kamen 1,562.000 jüdischer Immigranten in die Y Vereinigten Staaten, mehr als siebzig Prozent davon aus Rußland. In unseren zwei ersten Artikeln haben wir erzählt, wie sie vom Gold Iande träumten, von einem gelobten Lande, in dem sie ungestört ihrer Religion anhängen, ihr Brot verdienen und friedlich leben könnten. Sie waren keine Umstürzler, sie waren kaum Idealisten *. Sie waren bloß fromme, ja ängstliche Gemüter, die nichts anderes suchten als Erlösung von der Bedrückung ihrer Heimatländer. In Amerika fanden große Massen dieser Einwanderer den Weg zur Nadelindustrie, die schon damals zum überwiegenden Teile von deutschen Juden beherrscht wurde. Bei dieser Beschäftigung erkannten sie sehr bald, daß die Träume von einem gelobten Land Schäume gewesen waren, denn sie litten die furchtbarsten Entbehrungen. In Elendsquartieren hausend, in Schwitzbuden arbeitend, sahen sie sich von neuem in der Knechtschaft, in einem neuen Ägypten. Die ersten Befreiungskämpfe blieben fruchtlos. Erst als im Jahre 1890 die jüdischen Damenschnei der in New York sich unter die Führung einer Gruppe jüdischer Intellektueller von scharf links gerichteter Färbung stellten, als sie unter diesen Führern den großen Streik durchhielten, erlangten sie ein Übereinkommen mit den Unternehmern, kraft dessen diese ihnen erhöhte Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und gewerkschaftliche Organisation zugestanden. Von da ab war es die wichtigste Aufgabe der Nadelarbeiter, im ganzen Lande starke, permanente Gewerkschaften aufzubauen. Bei dieser Aufgabe fanden sie die Hilfe einer ganzen Reihe von Faktoren. Erstlich waren ihre Arbeitgeber selbst erst kürzlich eingewandert, waren ihnen verwandt, standen ihnen nahe durch Sprache, Tradition und Lebensformen; zweitens nahmen die städtischen Gemeinden von New York und Chicago das lebhafteste Interesse an ihrem Schicksal und halfen ihnen nach Kräften: drittens waren sie in gewissen Fällen auch sicher, daß das ganze jüdische Amerika ihnen mit Rat und Tal beistand. Als der Weltkrieg ausbrach, hatten die Nadelarbeiter das Werkzeug für ihre Befreiung geschmiedet. Sie hatten es gelernt, sich *) Siehe MenoraU Nr. 3/1 1929, 3 4 1930. Von Sylvia Kopald und Ben M. Selekinan 3- Kapitel. Dem gelobten Land entgegen4) I.

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