Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Die Juden in der Jurisprudenz
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE JUDEN IN DER JURISPRUDENZ 5 lung. Von einem Menschen, welchen er geschahen, stammt die ganze Menschheit ab. Religion und Recht sind in einer Schritt enthalten, welche aus der Eingebung des einzigen Gottes geflossen ist. Die Einheit der Substanz, wie sie besonders Baruch Spinoza (zum Beispiel gegenüber Cartesius) vertritt, geht auf dieselbe einheitliche Weltauf - t'assung zurück. Zusammen mit dem nomadischen Wesenszug führt sie zu einer Besonderheit des Bezugssystems. Alle einzelnen Dinge werden unmittelbar auf ein höchstes Wesen bezogen. Der Jude sucht keine Beziehung zu der Beschaffenheit der Dinge und zu ihrem gegenseitigen Verhältnis zu einem übergeordneten System, welches er auf ein höheres und wieder höheres zurückführt. Eine Hierarchie der Dinge und der Werte ist ihm fremd. Ein organischer Aufbau der Gedanken von oben nach unten ist nicht zu finden. Weder die biblischen noch die talmudischen oder rabbinischen Schriften kennen einen organischen Gedankenaufbau, unorganisch laufen die Gedanken neben- und durcheinander; eine straiTe Systematik geht ihnen ab. Wohl vereinigen sich die Gedanken im Tette, aber nicht nach dem organischen Aufbau eines Systems, sondern mehr unorganisch nach dem eines Kommentars. Aus dem nomadischen Wesenszug und der Einheitlichkeit der Weltanschauung und damit dein mangelnden Sinn für eine Hierarchie der Werte folgt für den Juden ein Mangel an Unterordnungsvermögen. Dieser Mangel an Unterordnung tritt einmal nach innen, in dem Verhältnis der Juden zueinander zutage. Keiner will dem andern gehör chen. „Die ganze Gemeinde ist heilig, warum erhebt ihr euch über sie", ruft die Rotte Korah Moses und Aaron zu. Innere Zwistigkeiten verhinderten immer wieder die Aufrichtung eines geordneten, starken Staatswesens. Nur die Könige David und Salomon konnten auf längere Zeit die Stämme zu einem festen Reiche vereinigen. Nach dem Tode Salomons erfolgten Spaltungen; in fortdauernden inneren Zwistigkeiten zerfleischte sich das Volk, ohne auf seine großen Propheten zu hören2), so daß die Siegerstaaten der Assyrer, Babylonier, Perser, Griechen und Römer die Selbstverwaltung in ihre Hände nahmen und das jüdische Volk jeder Selbständigkeit entkleideten. Hier liegt auch der innere Grund dafür, daß sich der Jude von Natur aus zu den Berufen, welche eine scharfe Unterordnung und Disziplin verlangen, nicht hingezogen fühlt, besonders zu dem Berufe des Offiziers und des Richters. Auf die Eignung des Juden zum Richter werden wir später noch zu sprechen kommen. In dem Gesagten glaube ich mit einen Grund zu sehen, weshalb Juden zu den genannten Berufen nicht streben, wenn