Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Joseph Klausner: Jesus von Nazareth [Rezension]
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 604 (sequence 2)
- Language
- German
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604 ME NORAH höchsten Symbole von 500 Millionen Menschen, ihrer Konkretisierung kritisch gegenübersteht. Ein klassisches Beispiel dieser Halbheit sind die Ausführungen Klausners S. 345 f. über die Versuchung durch den Satan, die von Markus in einem Vers kurz angedeutet (1, 13), bei Matthäus und Lukas (4, 1 ff.) ausführlich beschrieben wird. Dieser poetischen Schilderung sucht Klausner wirkliche Empfindungen Jesu zu entnehmen in einer Art, die ganz unwissenschaftlich ist, und in der Homilie eines Kirchenvaters, vorkommen könnte, wenn sie nicht — Zweifel an die Messianitüt Jesu zur Grundlage hätte. S. 367 f. wird das Wunder am Kinnerethsee besprochen und als den Tatsachen entsprechend angesehen. Jesus war mit seinen Begleitern in einem Boote, als ein Sturm ausbrach. Jesus sprach seinen erschrockenen Gefährten Mut zu und der See beruhigte sich alsbald. Klausner bemerkt: „Unzweifelhaft kann sich alles so zugetragen haben, denn der Kinnerethsee beginnt ebenso plötzlich zu toben und in Aufruhr zu geraten, wie er sich wieder beruhigt: der Verfasser dieses Werkes selbst war Zeuge eines solchen Umschlages, als er den See im Frühjahr 1912 befuhr. Doch für die galiläischen Fischer, die so begierig nach Wundern waren, war das ein von Jesus herbeigeführtes Mirakel." Abgesehen von der Schwierigkeit, daß die Fischer, die ihr ganzes Leben auf dem See zugebracht, diese Naturerscheinung nicht gekannt haben und sie erst im Jahre 191*2 vom Verfasser erkannt wurde, ist hier unvollständig zitiert. Nicht nur bei Lukas (8, 24), der gern über Wunder spricht, auch bei Markus (4, 39) der äußerst zurückhaltend ist, heißt es: daß Jesus dem Wind und dem Meer befahl sich zu beruhigen. Das ist aber der Höhepunkt des Berichtes. Klausner läßt diesen Vers weg! Ebenso gehören die Anschauungen: Die Heilungen Jesu beruhen auf Suggestion (S. 368 f.); Jesus machte, dieser Zusammenhänge bewußt, von der Autosuggestion Gebrauch (S. 370); auch die Apostel haben sich der Suggestion und natürlicher Heilmittel bedient (S. 391), zu jenen Halbheiten, die den Glauben verletzen und die Wissenschaft entstellen. Zur Beschwürung der Dämonen, die in Schweine fahren und dann ins Wasser fallen und ertrinken (Matthäus 8, 31 f.), die Klausner (S. 405) sich als ,,spätere Legende" zu bezeichnen entschließt, ist zu bemerken, daß schon in einer keilinschriftlichen aramäischen Beschwörung (veröffentlicht von P. Jensen in einer vorläufigen Mitteilung, Marburg 19*20) von Schweinen in Zusammenhang mit Dämonen die Rede ist, und es wiederholt sich die Wendung: ,.Sau! Laufe, finde die Grube." Über die Einvernahme Jesu durch die Priester (S. 474), wobei er ihnen antwortet, er sei jener von Daniel angekündigte Mcnschensohn, der in den Wolken kommt (Markus 14. 02) sind Klausners Ausführungen wie folgt zu ergänzen: Die, wenn auch nicht ausgesprochene, Berufung auf das Buch Daniel, die Quelle des Glaubens an die Auferstehung, muß die saddiuzäischen Priester, die die Auferstehung geliiugnet haben, ganz besonders aufgebracht haben. Die Darstellung der Lehre Jesu und ihrer Quellen und Berührungspunkte im Judentum, wo Klausner wieder mit wirklichen Quellen arbeitet ist äußerst lehrreich. Klausner betont (SS. 508, 515), daß Jesus beim Aufzählen der Gebote, die Gebote 1 bis 4 über das Verhältnis des Menschen zu Gott nicht anführt. Jüngst wurde gezeigt, daß er diese Gebote in anderer, auch den Rabbinern bekannten Form anführt (Aptowitzer in Revue des Etudes Juives Bd. 88 (S. 167 ff). Der Begriff der Gotlessohnschafl, der nach Klausner (S. 542. f.) dem Judentum jener Zeit fremd war, kommt schon früher in den Apokryphen vor. Die Beurteilung und Wertung der Lehre Jesu im Vergleich zum Judentum fordert wiederholt Widerspruch heraus. Doch können die Gegenbehauptungen, ebensowenig