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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. 603

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
Joseph Klausner: Jesus von Nazareth [Rezension]
Date
1930-11-01
Page
603 (sequence 1)
Language
German
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f [Q- ~M JOSEPH KLAUSNER: JESUS VON NAZA- RETH. Jüdischer Verlag, Berlin 1 <):$(). Vorliegendes Werk möchte ich in zwei Teile zerlegen: A. Buch 1 — die (geschichtlichen) Quellen, Buch '2 -— die Epoche und Buch 8 — Jesu Lehre. B. Buch 3 bis 7 —- die Lebensgeschichte Jesu. In A. wird auf Grund greifbarer Quellen und umfangreicher Literatur eine übersichtliche und glänzend geschriebene Schilderung geboten, deren Wert anerkannt werden muß, auch wenn man dem Verfasser nicht immer beipflichten kann. In B. wird dagegen der Versuch unternommen, auf Grund der Evangelien eine geschichtliche Darstellung von Jesu Leben zu rekonstruieren, oder vielmehr zu konstruieren. Iiier muß die grundlegende Anschauung des Verfassers, daß die Evangelien als geschichtliche Quellen in Betracht kommen, entschieden bestritten werden. Verfasser beginnt mit der Schilderung der vorhandenen Quellen, die sich auf Jesus beziehen. Talmud und Midrasch; das mittelalterliche „Toldoth Jesehu" (hebräische Biographie Jesu); Josephus und die heidnischen Quellen, wie auch die älteste Kirchenlileralur. Die Stellen sind übersichtlich geordnet und werden ausführlich besprochen, wertvoll isl die Zusammenstellung der Literatur. Dagegen kann die Behauptung des Verfassers über die Stelle bei Josephus. Altertümer 18, l\, .'5, die von Jesus handelt und von vielen als später eingeschoben angesehen wird, nicht überzeugen. Klausner hält diese Stelle nur für teilweise gefälscht, aber auch in jenem Teil, den er als ursprünglich hält, kommen Wendungen vor, die Josephus nicht geschrieben haben kann. Josephus kann nicht geschrieben haben: ,,So zog er viele Juden und auch viele Griechen an sich." Jesus hat mit Griechen überhaupt nichts zu tun gehabt und dieser Satz muß aus einem späteren, jedenfalls nachpaulinischen, Zeitpunkt stammen. Ebenso kann der Schlußvers: „Und noch bis auf den heutigen Tag besteht der Stamm der Christen, wie sie sieh nach ihm nannten, fort'* nicht von Josephus sein. Auch die Bezeichnung Jesu als „Vollbringer unglaublicher Taten'' kann Josephus nicht zugeschrieben werden. — Bei der Behandhing dier Quellen im Talmud und Midrasch ist Klausner der Ansicht, daß man jüngere Quellen von älteren streng unterscheiden muß, so daß spätere Werke nicht zur Erklärung herangezogen werden können (SS. 159, 174). Diese Ansicht ist nicht richtig. Die jüdischen Quellen besitzen eben die Eigenschaft, daß auch in jungen Quellen uraltes Material vorkommt. Diese Anschauung ist schon mehrmals erkannt (Wünsche, Ginzberg und Aptovitzer) und bewiesen worden. Oberhaupt ist Klausner viel zu viel Historiker, um diese Materie richtig zu erlassen, ße» richtiger Einschätzung agadischer Quellen und agadiseher Methode, hätte er auch, wie wir .seilen Wertteil, die Evangelien anders verstanden. Die Darstellung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse jener Epoche ist in jeder Beziehung zu loben. Wir kommen nun zur Lebensgeschiehte Jesu, die Klausner auf Grund der Evangelien konstruiert. Wie ich schon angedeutet habe, sind die Evangelien keine Geschichtsquellen; gehören vielmehr einer Literaturgatlung an. die der jüdischen Midraschlileratur nahesteht im 1 ihre große Wirkung besteht im Glauben und Erleben. Der jüdische Forscher kann daher zur Erklärung dies Textes und des Zusammenhanges beitragen: die evangelische Darstellung auch teilweise als Wirklichkeil zu empfinden, ist es für einen der jüdisch" denkt unmöglich. Die Folgen eines solchen Versuches sind dann Halbheiten. Sie können weder den Gläubigen befriedigen, der im Resultat eine Profanierung erblickt, noch jenen, der hei der größten Hochachtung für die

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