Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Joseph Klausner: Jesus von Nazareth [Rezension]
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 605 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2912821-2912900-2912907-2925985--09761-2926157- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
BIBLIOGRAPHIE 605 wie die Behauptungen des Verfassers durch konkrete Angaben gestützt werden, und müssen subjektive Ansichten bleiben. Zum Sehluli möchte ich auf eine sonderbare Entgleisung Klausners hinweisen. Matthäus (12, t) berichtet, daß die Jünger Jesu am Subbal Ähren gerupft haben, was den Unwillen der Pharisäer erregt hat. Nach Lukas (G, 1) war es am zweiten Subbal nach dem Passahfeste. Dazu bemerkt Klausner: ,,Es war unerlaubt, von neuem Getreide zu essen, solange nicht die Zeil des Omerschwingens gekommen war; hiergegen verstießen also die Jünger auch noch, von der Sabbalverlelzung gunz abgesehen. Vergl. J. Abrahams „Sludies in Pharisa.im and the Gospels," I, S. 133- 134." (S. 380, Anm. 114). Ich habe nicht festgestellt wie weit da Abrahams mitschuldig ist. Aber Klausner sollte doch wissen, daß das Omerschwingen am zweiten Tage Pessach stattfand und gleich darauf war das neue Getreide erlaubt. Die nicht besonders fernliegende Quelle dafür ist das dritte Buch Mosis 23, 14 und Josua 5, 11. Eine solche Entgleisung darf in einer jüdisch-wissenschaftlichen Arbeit nicht vorkommen. B. Nnrinelstein. WLADIMIR JABOTINSKY: FEUILLETONS. Verlag Dr. R. Färber, Mühr.-Ostrau. DIE JÜDISCHE LEGION IM WELTKRIEGE. Jüdischer Verlag, Berlin. Im Rußland der Vorkriegszeit galt Jabolinsky als einer der begabtesten Feuillctonislen. Er halle so ziemlich jedes Ressentiment des Ghetto abgelegt und aus einer gründlichen Kenntnis der Weltliteratur die europäische Einstellung zu den Fragen des Tages erworben. Dichterische Begabung, verbunden mit der romantischen Liebe zur heroischen Geste sicherte seinen Feuilletons durch die blendende Beherrschung der Sprache und des Stiles die Bewunderung der russischen Intelligenz. Seine Tätigkeil als Korrespondent der ,,Russkija Wjcdomosti'' führte ihn zu Anfang des Weltkrieges nach dem Millelmeer, wo er wertvolles Tatsachenmaterial sammeln konnte. Aus der Erkenntnis, daß der Endsieg den alliierten Mächten zufallen müsse, gelangle er zur logischen Schlußfolgerung, daß die zionistische Organisation die Bildung jüdischer Legionen aus den Staatsangehörigen der alliierten Mächte in der kommenden Orientoffensive unterstützen und so im Verbände der britischen Streitkräfte das Recht der Juden auf Palästina sich erkämpfen solle. Das ist der Grundstein für die militaristische Legende, die sich um Jabolinsky rankt. In der „Geschichte der jüdischen Legion", (1928 in der Menorah erschienen) erzählt Jabolinsky von all diesen Ereignissen. Als er begann, im Widerspruche mit der zionistischen Organisation seine Pläne in die Wirklichkeit umzusetzen, bewies er, daß er nicht nur auf der Rednerbühne ein Meister des Wortes sein konnte, sondern auch ein vollendeter Diplomat war. Er überraschte seine Freunde durch die Geduld, mit der er die nie endenden Verhandlungen zu den offiziellen Stellen der britischen Regierung führte, quittierte Enttäuschungen mit einem leisen Lächeln und fand immer wieder neue Methoden, die y.u dem erhofften Resultat führen konnten, auch wenn die Lage noch so aussichtslos schien. Hier zeigt er sich auch als geschickter Taktiker, der die gemeinsame ablehnende Front der assimilierten Kapitalisten und russischen Revolutionäre durch kluge Kaltstellung überwand. Als endlich die jüdischen Bataillone nach Palästina abrückten, trat Jabotinsky als einfacher Kämpfer in ihre Reihen und überließ die politische Auswertung dieser Tatsache, die ebenso bestimmend' für das damalige Verhältnis der alliierten Mächte zu den Zionisten war wie die Balfour-Deklaralion, den offiziellen Stellen der zionistischen Organisation. Darum wird es heute versländlich, daß Jabotinsky der Führer jeuer Opposition geworden ist, die gegen ein System auftritt, das nicht imstande war, diese politischen Aktiven im Kampfe um die Errichtung des nationalen Heimes zu halten und heute vor der letzten Niederlage des zionistischen Gedankens steht. V. //.