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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. Seite 563

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Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
Der Weltkrieg als ein Wendepunkt im sozialen und wirtschaftlichen Leben des Ostjudentums
Date
1930-11-01
Page
Seite 563 (sequence 7)
Language
German
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DER WELTKRIEG ALS EIN WENDEPUNKT 563 unter ihren Füßen. Die wurzellose Gestalt des kleinen Vermittlers ohne bestimmten Beruf, des sogenannten Luflmenschen, war im neuen Jahrhundert immer seltener auf den Siraßen der jüdischen Stäche und Städtchen zu sehen. Die Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung zu der christlichen besserten sich merklich. Das fand seinen Ausdruck in der Talsache, daß die Versuche der Regierung Nikolaus II. in den Jahren 1903 bis 1906 aus politischen Motiven eine Pogronibewegung zu entfachen, sehr wenig Erfolg halten; die Pogrome mußlen eben organisiert werden und konnten zu einer gefährlichen Volksbewegung nicht auswachsen. Eine analoge Entwicklung der sozialen und wirtschaftlichen Verhallnisse der Juden hat sich auch in Galizien vollzogen. Aber die wirtschaftliche Tätigkeit der Juden in Galizien trug im Vergleich mit derjenigen der Juden in Rußland gewisse Zeichen der Rückständigkeit. Einerseils konnten die galizischen Juden dank ihrer Gleichberechtigung auf dem Lande gewisse alte Positionen beibehalten, die die russischen Juden infolge der Ausnahmegesetzgcbung verloren haben. Andererseits aber war die wirtschaftliche Lage Galiziens innerhalb Österreich-Ungarns nicht zu vergleichen mit der schon erwähnten günstigen Lage des jüdischen Ansiedlungsgebiels innerhalb des russischen Reiches, und die Konkurrenz der industriell hoch entwickelten westlichen Provinzen Österreichs erschwerte die Entstehung einer Industrie in Galizien. Es blieb eine, rückständige Agrarprovinz Östeircich- Ungarns. und das erklärt die relative wirtschaftliche Rückständigkeit seines Judentums. Gleichzeitig mit dem wirtschaftlichen und sozialen Aidstieg des Ostjudentums veränderte sich seine politische Stellung. Dem russischen Judentum ist es nicht gelungen, seine Emanzipation zu erreichen. Aber das Ostjudentuni war schon nicht nur ein Objekt der Regierungspolitik, die jüdischen "Massen kämpften aktiv um ihre Stellung im politischen und sozialen Leben, und sie wurden von verschiedenen geistigen und sozial-politischen Strömungen stark ergriffen. JDem wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt, des Ost .Judentums entsprach auch seine kulturelle Umbildung. Die abendländische Kultur vermochte durch die Vermittlung des Polentunis keinen genügenden Einfluß auf die Juden auszuüben. Die stark nationalistische und kirchlich-katholische Färbung der polnischen Kultur stand hier im Wege. Die deutsche Kultur hat einen bedeutenden Einfluß auf die führenden Gruppen des Ostjudentums ausgeübt aber außer Posen konnte dieser

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