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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. Seite 564

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Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
Der Weltkrieg als ein Wendepunkt im sozialen und wirtschaftlichen Leben des Ostjudentums
Date
1930-11-01
Page
Seite 564 (sequence 8)
Language
German
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564 M E N O R A 11 Einfluß die Müssen nicht erfassen, da sie mit dem Deutschtum nur in schwacher Berührung standen. Dagegen war der Einfluß der russischen Kultur auf das ganze Judentum, das in den Grenzen Rußlands wohnte, sehr bedeutend; besonders muß das von den Juden der Ukraine und Weißrußlands gesagt werden. Aber das Kennzeichnende für die geistige Talkraft des Ostjudentunis ist. daß es sich nicht darauf beschränkt hat, passiv die allgemeinen Bestandteile der europäischen Zivilisation durch die Vermittlung der nationalen Kulturen der umgebenden Völker sich anzueignen, sondern, daß es auch versucht hat, auf diesen Grundlagen eine neue weltliche national-jüdische Kultur zu schaffen, und sich dabei teilweise der jiddischen und teilweise der hebräischen Sprache bediente. Durch dieses Werk, das die Ostjuden unter schwierigen äußeren Bedingungen seit der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts vollbracht haben, kam es zu einem Umschwung in dem ganzen geistigen Leben des Welt judentums. Bisher war die Religion das einzige Bindeglied, das das Judentum einigle. Mit der fortschreitenden Verweltlichung des geistigen Lebens sank die Bedeutung dieses Bandes immer weder, und also stand das Judentum vor der Gefahr seines allgemeinen Zerfalles. Durch die Schädling der Anfänge einer neuen nationalen weltlichen Kultur wurde unter das Judentum ein neues Fundament gclegl. Und das war insofern von größler Bedeutung, als in den letzten 35 Jahren vor dem Kriege eine ungeheure Expansionsbewegung des Ostjudentunis nach den Übcrseelündern eingesetzt hat. Die mächtige Entwicklung der jüdischen Emigration sieht in der engsten Verbindung mit der Berufsumschichtung des Ostjudentums, die seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts eingesetzt hat. Die Aufnahmefähigkeit der Überseeländer für Händler ist begrenzt und die jüdische Emigration konnte eine große Entfaltung nur dank der Tatsache erhallen, daß unter den Osljuden eine sehr große Handwerker¬ und Arbeiterklasse entstanden war. Aus diesen und nicht aus den Händlern rekrutierte sich die weitaus größte Menge der jüdischen Auswanderer, und so konnten die ungeheuren jüdischen Agglomerale in den Großstädten der Vereinigten Staaten entstehen. Es entstanden auch kleinere jüdische Zentren in Kanada, Argentinien. Südafrika und auf dem alten Kontinent in England und Palästina. Dabei wurde die Schaffung eines neuen nationalen Zentrums in Palästina von großer Bedeutung für das geistige Lehen des gesamten Judentums. Also das Zeitalter von dem Zerfall Polens bis zum Ausbruch des Weltkrieges war von ungeheurer Bedeutung in der Geschichte des Ost-

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