Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Der Weltkrieg als ein Wendepunkt im sozialen und wirtschaftlichen Leben des Ostjudentums
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 562 (sequence 6)
- Language
- German
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MENORAH Diese Entwicklung ist besonders für die großen Massen der Juden, die in das Russische Reich eingegliedert waren, kennzeichnend. Die Schwierigkeiten, auf die sie seitens der Ausnahmegesetzgebung stießen, konnten sie doch nicht gänzlich verhindern, die großen wirtschaftlichen Möglichkeiten, die in dem ungeheuren Reiche gegeben waren, auszunutzen. Da das jüdische Ansiedlungsgebiet an der wichtigsten Landgrenze und an den wichtigsten Seewegen, die das Reich mit dem Westen verbanden, lag, so verstanden es die Juden dank ihrer Geschättslüchtigkeit den russischen Außenhandel zu entwickeln. Sie haben die Ausfuhr von Getreide, Holz, Eiern usw. großzügig organisiert und so die russische Volkswirtschaft in die Weihvirtschaft eingegliedert. Sie haben für die polnische Industrie den ungeheuren russischen Markt aufgeschlossen und ihr zum großen Aufschwung verholfen. Die Tätigkeit des jüdischen Unternehmers und Händlers wird von großer positiver Bedeutung im Ausbau der russischen Volkswirtschaft. Und so entwickelt sich und erstarkt eine bedeutende Schicht wohlhabenden jüdischen Bürgertums. Gleichzeitig mit der positiven Umbildung der jüdischen Unternehmerklasse geht das schnelle Wachsen der körperlich arbeitenden Klassen unter den Juden. Die Eingliederung der großen Bauernmassen in die Tauschwirtschaft und das Wachsen der städtischen Bevölkerung schuf weite Möglichkeiten für die Entfaltung des Handwerks, die die Juden ungehemmt auszunutzen vermochten. Dieses Handwerk verwandelte sich allmählich in eine kapitalistische Kleininduslrie, die mit ihren Erzeugnissen die entlegensten Märkte des weiten Reiches belieferte. Die Ostjuden scheuten keine Arbeit, und bedeutende Schichten von ihnen waren auch als Schwerarbeiter im Ilolzgeschüft, im Getreidehandel usw. beschäftigt. Dank dieser Entwicklung konnte das russische Judentum seine gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts staltgefundene völlige Ausschaltung aus dem Schankgewerbe durch das staatliche Branntweinmonopol ohne allzu große Erschütterung ertragen. Infolge des Drucks der Ausnahmegesetzgebung war der Lebensspielraum der in ihrer Freizügigkeit gehemmten jüdischen Massen in Rußland nicht groß genug. Besonders in den jüdischen Kleinstädten lebten die jüdischen Massen ein dürftiges Leben. Aber infolge der immer engeren Yerquickung des Wirtschaftslebens des Ansiedlungsrayons mit demjenigen des ganzen Reiches fühlten sie immer fesleren Boden