Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Der Weltkrieg als ein Wendepunkt im sozialen und wirtschaftlichen Leben des Ostjudentums
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 561 (sequence 5)
- Language
- German
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DER WELTKRIEG ALS EIN WENDEPUNKT .061 heu, aber seine Auswirkungen waren doch von größter positiver Bedeutung und zwar nicht nur in dem Sinne, daß der Wohlstand der jüdischen Massen sich schließlich gehohen hat. sondern auch in dem Sinne, daß ihre wirtschaftliche Tätigkeif einen normaleren Gharakter angenommen hat; sie wurde von großer Bedeutung für die fortschrittliche Entwicklung der russischen Volkswirtschaft, und das Verhältnis der jüdischen Bevölkerung zu der sie umgehenden hat in nicht unbedeutendem Maße seine frühere gefährliche Zuspitzung verloren. Dieser Prozeß steht in Verbindung mit den Richtlinien der Judenpolitik der Nachfolgestaaten, aber hauptsächlich war es das Ergebnis der allgemeinen Entwicklung der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse Osteuropas seit der Mitte des Jahrhunderts. Die Regierungen verhielten sich negativ zu der Tätigkeit der Juden als Vermittler auf dem Lande, denn sie betrachteten sie als schädlich für die Bauernmassen, auf die sie sich stützen möchten. Sie waren aber nicht geneigt, zum Schutz des polnischen Bürgertums die Tätigkeit der Juden im Handel, im Handwerk und in der Industrie zu hemmen. In der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts trafen die Regierungen Maßnahmen, um die Juden von dem platten Lande zu entfernen. Wollten die Juden hier bleiben, so sollten sie Ackerbauer werden; die russische Regierung versuchte», eine großzügige jüdische Kolonisation in den damals noch wenig besiedelten Steppen Neurußlands zu entwickeln. Diese Politik brachte zunächst der jüdischen Bevölkerung große Leiden und war wenig erfolgreich. Die verarmten Städte und Städtchen waren in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderls für neue Einwanderer nur wenig aufnahmefähig. Was die Einstellung der Juden zum Ackerbau anbetrill't. so war das eine schwere Aufgabe: die Ergebnisse der jüdischen Kolonisation (Mitsprachen nicht den Hoffnungen, die man auf sie setzte, und den Mitteln, die für sie aufgewendet wurden. Die Ausweisung der Juden aus den Dörfern konnte daher auch nicht folgerichtig durchgeführt werden. XL ine ganz neue Situation wurde aber durch die Ablösung der Xwaugsverhällnisse zwischen den Bauern und Grundbesitzern in der Milte des vorigen Jahrhunderts geschalfen. Sie erschütterte die bisherige wirtschaftliche Lage der Juden als Verinitiier zwischen den (irundbesitzern und den Bauern gründlich. Dabei aber schufen die Befreiungsreformen und der gleichzeitig slaltgefundene Ausbau der Eisenbahnen ein weites Feld für die Entfaltung der wirtschaftlichen Tätigkeit der Juden auf neuen Grundlagen.