Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Der Weltkrieg als ein Wendepunkt im sozialen und wirtschaftlichen Leben des Ostjudentums
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 560 (sequence 4)
- Language
- German
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f)(i() M E N () R A I I reu Ausnahmegeselzgebung. Dies konnte aber die großen positiven Folgen der Eingliederung der Juden in den großen russischen Slaal mit seinen ungeheuren Möglichkeiten nur teilweise entwerten. JLrie wichtige Folge der Eingliederung des Osljudenlums in die drei großen Staaten bestand schon darin, dal] es neue Expansionsmögliehkeilen erhielt. Die Juden von Posen übersiedelten seit der Milte des vorigen .Jahrhunderts in so großer Zahl nach dem Westen, daß das Problem der jüdischen Übervölkerung hier bald gelöst wurde. Die noch verbliebenen posenschen Juden verwandelten sich in ein wohlhabendes Bürgertum, sie haben sich mit den anderen deutschen Juden vollkommen assimiliert und konnten zu den Ost Juden kaum noch gezählt werden. Es ist aber dabei zu bemerken, daß das, was wir jetzt das deutsche Judentum nennen, eine Verschmelzung der in Deutschland verbliebenen Juden mit dem großen Strom der Osljuden. der hauptsächlich aus Posen gekommen war, ist. Bedeutend war auch der Zustrom der Juden aus Galizien nach den westlichen Provinzen Österreichs und nach Ungarn. In Rußland wurde die Freizügigkeit der Juden im ganzen Lande nicht anerkannt. Es wurde J iir sie der sogenannte jüdische Ansiedlungsrayon gebildet, und das Wohnen auf dem platten Lande wurde ihnen dabei erschwert. Dieser Ansiedlungsrayon wurde aber breit bemessen. Außer den Ländern, die früher Polen gehörten, wurden in den jüdischen Ansiedlungsrayon zwei Gouvernements auf dem linken Ufer des Dnjeprs und das neu von den Türken eroberte, an das Schwarze Meer grenzende, weite Gebiet von Neurußland eingeschlossen. Bald setzte eine Bewegung der Juden aus den ehemaligen polnischen Gebieten nach dem Südosten ein, und gerade die jüdische Bevölkerung von Neurußland zeichnete sich durch ihren verhältnismäßig hohen Wohlstand aus. Nach den inneren Gebieten Rußlands konnten nur wenige privilegierte Gruppen von Juden übersiedeln. Diese eroberten sich aber eine hohe gesellschaftliche Stellung; trotz ihrer starken Assimilation mit dem Bussentum fühlten sie sich auch eng mit den jüdischen Massen in dem Ansiedlungsgebiet verbunden und bildeten für diese einen mächtigen Halt. Gleichzeitig mit diesen Wanderungsbewegungen ging ein lief er Umbildungsprozeß im sozialen und wirtschaftlichen Leben des Osljudenlums in seinen allen Siedlungsgebieten vor sich. Dieser Prozeß konnte für die Juden nicht ohne schmerzhafte Erschütterungen blei-