Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Der Weltkrieg als ein Wendepunkt im sozialen und wirtschaftlichen Leben des Ostjudentums
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 559 (sequence 3)
- Language
- German
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DER WELTKRIEG ALS EIN WENDEPUNKT 55i> 1648 zu dem großen Kosaken- und Bauernaufstand unter Ühmielnilzkis Führung, der auch von einem Kriege Polens mit Moskovien und Schweden begleitet war, gekommen. In den zehn Jahren, 1648 bis 1658. wurde Polen in seinen tiefsten Grundlagen erschüttert; die jüdische Bevölkerung wurde dabei massenhaft abgeschlachtet und die Überreste blieben völlig ruiniert. Polen konnte nach dieser Katastrophe sich nicht mehr erholen; der Staat befand sich in einem fortschreitenden Auflösungsprozeß und auch die Juden konnten sich seitdem nicht mehr emporarbeiten. In dem untergehenden Staate vermochten die Juden keine bedeutende UnternehmungsliitigUeit zu entwickeln. Sie waren als Vermittler in die enge Wirtschaft der Gutsherrschatten eingeschlossen und fristeten ein nur kümmerliches Dasein. Sie hatten nicht viel im alten Polen zu verlieren. Und so kam es zur Aufteilung Polens unter den drei Nachbarstaaten. Der weit größte Teil der polnischen Juden wurde in das russische Reich, ein gewisser Teil in Osterreich und ein noch kleinerer in Preu 1.1 en ein geglieder l. Der Zerfall Polens war ein Prozeß, der von Kriegen, Aufständen und tiefen Erschütterungen begleitet wurde und von 1772 bis ungefähr 1830 dauerte. Diese Ereignisse hemmten die wirtschaftliche Entwicklung der polnischen Länder und auch die wirtschaftliche Tätigkeit der Juden. Aber nach Polens Zerfall beginnen in dem Leben des Ostjudenlums sich neue Kräfte auszuwirken, deren Einlluß für sie von großer positiver Bedeutung wurde. Die positiven Ergebnisse konnten nicht sogleich zum Vorschein kommen, denn es mußten zuvor die reaktionären Strömungen, die die napoleonischen Kriege auslösten, und die sich auf die Lage des Judentums ungünstig auswirkten, überwunden werden. Die rechtliche Lage der Juden in Posen hat sich gründlich noch in den dreißiger Jahren, die der Juden in Galizien erst in den sechziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts verbessert. Die Juden Deutschlands und Österreich Ungarns erreichten ihre Gleichberechtigung. In dieser Hinsicht war das Los der Juden Rußlands viel weniger glücklich. Sie mußten eine schwere Leidenszeit unter Nikolaus I. durchmachen. Unter der liberalen Regierung Alexanders 11. wurde auch die rechtliche Lage der Juden bedeutend verbessert. Alier seine liberalen Maßnahmen wurden durch seinen Nachfolger, Alexander III. teilweise annulliert. Trotz gewissen Schwankungen in der Politik Nikolaus IL blieben die Juden bis zum Zusammenbruch des Zarenreiches unter dem Druck einer schwe